Afrikaner besuchte soziale Förderstätten und Frühförderzentrum in Bad Hersfeld

Ein Vorbild für Uganda

Besuch aus Ostafrika: Johanna Blum (von links) und Manfred Wiedemann vom Frühförderzentrums tauschten sich mit Michael Miiro aus Uganda und Adelheid Merle aus. Foto: Rössing

Bad Hersfeld. Michael Miiro aus Uganda hatte zwei Ziele, als er kürzlich zu Besuch in Bad Hersfeld war: Zum einen wollte er Deutschland kennenlernen und seinen Freund Lorenz Merle sowie dessen Familie in Ludwigsau besuchen. Zum anderen wollte er sehen, wie in Deutschland mit dem Thema Behinderung umgegangen wird.

Michael Miiro ist 35 Jahre alt und sitzt selbst im Rollstuhl, seit er mit zwei Jahren an der Kinderlähmung Polio erkrankt war. Mit Hilfe der Familie Merle konnte er sich von den örtlichen Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen ein Bild machen. So besuchte er die sozialen Förderstätten und das Frühförderzentrum in Bad Hersfeld.

„Er zeigte sich sehr interessiert an unserer Arbeit, ließ sich im Haus herumführen und stellte viele Fragen“, berichtet Johanna Blum vom Frühförderzentrum. Miiro ist Mitglied der Organisation „Kadipefa“ (Kawule disabled persons and their families asscociation) in Uganda, die für die Rechte von Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen eintritt und diesen hilft, ihr Leben lebenswert zu gestalten.

Behinderte als Belastung

Im afrikanischen Uganda sind Menschen mit Behinderung noch viel stärker auf ihre Familien angewiesen, als in Deutschland. Gerade in ländlichen Regionen herrscht starke Armut, sodass behinderte Menschen oft als Belastung angesehen werden. „Unsere Organisation möchte das Bewusstsein der Menschen verändern: Behinderte Menschen sind genauso viel wert wie alle anderen“, sagt Miiro.

Kadipefa hat immer wieder zu kämpfen, sie müssen sich selbst finanzieren, da die Regierung Projekte wie dieses nicht unterstützt. Explizit tritt Kadipefa für die Menschenrechte ein, unterstützt den Austausch von Menschen mit Behinderungen und verhilft ihren Mitgliedern durch Anleitung zu Eigenanbau von Lebensmitteln. So kommen diese zu einem selbstständigen Einkommen und können sich teilweise selbst versorgen. Tätig ist die Organisation vor allem in Süd-West Uganda in der Gegend von Kampala.

Von Deutschland lernen

Kadipefa zählt derzeit über 300 Mitglieder. Durch den ständigen Austausch mit der Regierung und anderen Hilfsorganisationen will Kadipefa Bildung ermöglichen und die medizinische Versorgung sichern. Gerade in ländlichen Regionen sind die Möglichkeiten diesbezüglich noch rar. „Von Deutschland können wir sehr viel lernen“, sagt Miiro nach seinem Besuch im Frühförderzentrum.

„Behinderte können in Deutschland viel unabhängiger leben. Dorthin wollen wir Uganda auch bringen.“ Er ist froh, hier einen guten Kontakt geknüpft zu haben und lädt alle Interessierten ein, sich das Projekt in Uganda vor Ort anzuschauen. Auch helfende Hände sind gerne gesehen.

Kontakt: Per E-Mail an kadipefa@yahoo.co.uk oder an miiro_m@yahoo.co.uk. Die Organisation ist außerdem auf den Internetplattformen Youtube und Facebook vertreten.

Von Sarah Rössing

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