Frank Grüttner stellt 38 Bilder aus dem Zyklus „Evangelium“ in der Martinskirche aus

Vorbereitung auf Ostern

Der Frankfurter Künstler Frank Grüttner stellt Passionsbilder in der Martinskirche in Bad Hersfeld aus. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Eine große Ausstellung mit Werken des Frankfurter Malers Frank Grüttner ist bis Ostern in der evangelischen Martinskirche zu sehen. Grüttner hat 38 Bilder seiner Sammlung „Passion“ nach Hersfeld gebracht. Es sind Federzeichnungen auf Packpapier in der Größe von 60 mal 50 Zentimetern, die zu einer intensiven Beschäftigung mit der Kreuzweggeschichte anregen.

„Wenn man sich so sehr in eine Idee vertieft, kann man mit der Arbeit daran nicht aufhören“, erzählte der Künstler beim Aufhängen seiner Werke. Die Arbeit habe dann eine Sogwirkung. Die Sammlung „Passion“ ist auch aus einer solchen Faszination für das biblische Thema entstanden. Sie ist Teil eines 190 Zeichnungen beinhaltenden Zyklus mit dem Namen „Evangelium“, an dem Grüttner seit Mitte der 80er-Jahre arbeitet.

„Kunst wird nie fertig“

„Kunst wird nie fertig“, meinte der Maler, Kunst müsse sich entwickeln wie die eigene Reife. Aber es gebe einen Punkt in der Entwicklung, an dem man merkt, dass man richtig gut ist. „Dann darf der Künstler nicht abbremsen“, erklärte Grüttner seinen Schaffensdrang.

Mit seinen Jesus-Bildern reiht er sich in eine über Jahrhunderte gehende Tradition mitteleuropäischer Kunstkultur ein. Grüttner hat das Leiden Jesu für die zeitgenössische Malerei entdeckt. Bei seiner Arbeit lässt er sich von den vier Evangelien inspirieren und vereinigt sie sozusagen zu einer Synopse.

Religion bestimmt Leben

Das Religiöse habe sein ganzes Leben bestimmt, erzählte der 74-jährige Maler, der in Berlin aufwuchs: „Meine alte, kleine Senfkorn-Bibel hat mich stets begleitet.“

Auch Landschaftsbilder und Porträts zählen zu Grüttners Werken, die seit 1969 unter anderem in Wien, Basel und Melbourne zu sehen waren. Ein Porträt von Arthur Schopenhauer war der Auslöser für seine Bekanntschaft mit dem ehemaligen Hersfelder Bankdirektor Dr. Manfred Wagner 2008 auf einer Tagung der Schopenhauer-Gesellschaft. Dr. Wagner hat seitdem wiederholt Grüttner für Ausstellungen im Kreis gewonnen. Er ist auch der Initiator der jetzigen Exposition.

Bilder müssen erzählen

Auffallend direkt und in der Farbwahl schlicht sind die Crayon-Zeichnungen. Dadurch konzentriert sich der Betrachter verstärkt auf die Themen der Szenen, die mit genauen Angaben der zugrundeliegenden Bibelstellen gekennzeichnet sind. „Ansonsten müssen Bilder alles, was sie beinhalten, von sich aus erzählen“, sagte der Künstler.

Die Federzeichnungen hat er nur mit schwarzen, roten und weißen Buntstiften überarbeitet. Zu den Öffnungszeiten des Cafè auf Zeit in der Martinskirche, montags bis mittwochs von 15 bis 18 Uhr, und nach den Gottesdiensten sowie nach Vereinbarung ist die Ausstellung bis Ostern zu besichtigen.

Von Vera Hettenhausen

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