Windkraft: Naturschutzverbände kritisieren Auftragsgutachten

Vögel in Gefahr

Rotmilan vor Windrad: Die Gefahr durch die Propeller kann der Vogel nicht einschätzen. Montage nach Fotos von Arno Werner

Hersfeld-Rotenburg. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ziehen Vögel nicht nur durch die Flussauen von Fulda und Werra, sondern durch das gesamte Kreisgebiet, weil hier ein Zentrum mehrerer international bedeutender Vogelfluglinien ist. Mit dieser Feststellung widersprechen mehrere Naturschutzverbände Betreibern und Planern von Windparks, die sich auf Zugwege-Karten und ornithologisch Gutachten berufen hatten.

Der NABU Bad Hersfeld, die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal und die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz Arbeitskreis Hersfeld-Rotenburg verfügen ihren Angaben nach hingegen über Erkenntnisse aus über 100 000 Einzeldaten, die seit 1970 im Kreis gesammelt wurden. Alle sonst zurzeit kursierenden Karten seien hingegen wenig relevant, weil die vorhandenen Fakten nur unzureichend wiedergegeben würden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mehr als 60 000 Kraniche

Im Herbst seien von Ornithologen mehr als 60 000 Kraniche gezählt worden, die nach Süden zogen, teilen die Naturschützer mit. Ein weiteres Problem sei der bedrohte Rotmilan. Der Weltbestand dieses Greifvogels bestehe höchstens aus 22 000 Brutpaaren, die fast ausschließlich in Europa brüten.

Hessen habe mit seinen etwa 1 000 Brutpaaren eine extrem hohe Verantwortung für das Überleben dieser Vogelart. Im Kreis sei der Rotmilan als Brutvogel flächendeckend vertreten.

Die Rotmilane führen die Statistik über Opfer an Windenergieanlagen deutlich an, weil sie die Gefahr der drehenden Flügel bei der Jagd nicht einschätzen können, wissen die Vogelschützer.

Ausdrücklich distanzieren sich die Naturschutzverbände deshalb von Ornithologen, die im Auftrag von Windkraftbetreibern genehme Gutachten erstellen.

Am Beispiel einer geplanten Windkraftanlage in einem Nachbarkreis könne man eindrucksvoll belegen, wie ornithologische Daten so „aufbereitet“ wurden, dass sie unbedenklich für Windenergieanlagen sind.

Dieselben Ornithologen hätten auch in einem Gutachten für den Regionalplan 2009 festgestellt, dass über den Kreis Hersfeld-Rotenburg überhaupt keine Kraniche gezogen seien, warnen die Naturschutzverbände vor übereilten Planungen. Sie fordern deshalb die Veröffentlichung des seit Mai 2011 existierenden Gutachtens zur Abgrenzung relevanter Räume für windkraftempfindliche Vogel- und Fledermausarten. (red/ks)

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