Visionen, Lese-Aktion und Gammel-Müll

Karl Schönholtz

Von einem guten Bürgermeister wird erwartet, dass er Visionen entwickelt – für die Stadt an sich oder für deren Strukturen.

Ich erinnere mich an einen Termin bei Bürgermeister Hartmut H. Boehmer, der mir bei dieser Gelegenheit eine geplante Wohnanlage im Geistal vorstellte – bunte Zeichnungen inklusive. Vorher hätte allerdings das an dieser Stelle befindliche Freibad weichen müssen, das Boehmer neben dem Hallenbad am Obersberg neu bauen lassen wollte. Der kühne Plan sollte auf Sicht die Kosten verringern helfen. Weil sich schon im Vorfeld außer Boehmer offenbar niemand für das Vorhaben erwärmen konnte, kam die Sache gar nicht erst auf den Tisch und die Unterlagen verschwanden auf Nimmerwiedersehen im Schreibtisch des Rathauschefs.

So ähnlich scheint es nun der gewagten Idee seines Nachfolgers Thomas Fehling zu gehen, der laut darüber nachgedacht hatte, die Stadtbibliothek in die Räume des „wortreich“ im Schilde-Park zu verlegen und dafür das Technische Rathaus von der Landecker Straße an den Markt ziehen zu lassen. Was bei Vielen gleich für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt hatte, das ist nun kein Thema mehr: Im überarbeiteten Entwurf des Haushalts 2016 steht dafür kein einziger Cent zur Verfügung.

Bad Hersfeld liest ein Buch - aber welcher Titel 2016 im Mittelpunkt der alljährlichen Literatur-Aktion steht, das ist jetzt die Frage. Die Auswahl-Jury, die sich in dieser Woche zum ersten Mal für die neue Runde getroffen hat, bittet Bürgerinnen und Bürger aus Bad Hersfeld und Umgebung bis zum 20. Februar um Vorschläge. Gesucht wird das Buch eines lebenden deutschsprachigen Autors mit einem Umfang bis zu 300 Seiten. Auch die Jury-Mitglieder Dr. Thomas Handke, Christel Zimmermann, Günter Exner, Sandra Rudolph und meine Wenigkeit haben da schon Ideen. Thematische Vorgaben gibt es nicht, doch sollte eine möglichst breite Leserschaft angesprochen sein. E-Mails bitte an: bibliothek@bad-hersfeld.de

Und noch ein Wort zum Müll: Im Kalender des Abfallwirtschaftszweckverbandes setzt die Abholung der braunen Tonne im Dezember und im Januar je einmal aus. Das war bisher kein Problem, denn Gartenschnitt fällt im Winter erfahrungsgemäß eher selten an, und gesammeltes Herbstlaub kann auch mal ein paar Tage weiter modern. Doch seit die braune Tonne zur Bio-Tonne erklärt wurde, sieht die Sache doch ein wenig anders aus: Küchenabfälle und Speise-Reste, die bei den seinerzeitigen milden Temperaturen vier Wochen (wenn bei 14-tägiger Abholung ein Termin gestrichen ist) vor sich hin gammeln, sind nicht so lecker. Vielleicht muss da mal was überdacht werden.

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