Sozialminister Grüttner besuchte Klinikum – Gespräch über Zukunft der Ärzteversorgung

Vierbettzimmer überholt

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (Dritter von rechts) lässt sich auf der Baustelle von Architekt Jens Buhlmann (rechts) und Geschäftsführer Martin Ködding (Vierter von rechts, verdeckt) die Pläne für die Neu- und Umbauten des Klinikums Bad Hersfeld erläuterten. Eingeladen hatte die CDU-Fraktion im Kreistag mit ihrem Vorsitzenden Herbert Höttl (Zweiter von rechts). Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Vierbettzimmer ohne eigenes Bad sind in einem Krankenhaus nicht nur für die Patienten hochgradig unangenehm, sie sind auch ein hygienisches Problem. Das machte Chefarzt Privatdozent Dr. Michael Keymling Sozialminister Stefan Grüttner während eines Rundgangs durchs Klinikum Bad Hersfeld deutlich. „Stellen Sie sich vor, einer muss abführen und die drei anderen wollen essen“, führte er das Problem drastisch vor Augen. „Wir brauchen mehr Zimmer“, brachte es Dr. Keymling auf den Punkt.

Großbaustelle

Diese Zimmer sollen in den nächsten Monaten entstehen. Zu Beginn seines Besuches hatten Geschäftsführer Martin Ködding und Architekt Jens Buhlmann dem Gast aus Wiesbaden die Großbaustelle des Klinikums gezeigt. An der Stelle, wo früher die Isolierstation stand, wird nun ein neuer Flügel gebaut – mit einer komplett neuen Küche im Untergeschoss und einem Bettenhaus obendrüber. In dem Neubau soll dann der Bereich „Intermediate Care“ untergebracht werden, in dem Patienten betreut werden, die zwar überwacht, aber nicht intensivmedizinisch versorgt werden müssen.

Hierhin sollen aber zunächst die Stationen aus dem Bettenhaus Ost umziehen. Anschließend ist geplant, das Bettenhaus umzubauen. Wie notwendig dieses Vorhaben ist, davon konnte sich der Sozialminister selbst überzeugen.

Ohne konkret zu werden, signalisierte Grüttner, dass das Klinikum auch in Zukunft unterstützt werde. Er kündigte zudem eine Hygieneverordnung in Hessen an.

Thema des Besuchs von Sozialminister Grüttner war aber auch die Ärzteversorgung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Die kann in Zukunft, davon ist Dr. Jörg Merkel aus Heinebach überzeugt, ohne Führung der Politik nicht mehr geleistet werden. Die Kassenärztliche Vereinigung sei nicht in der Lage, auf grundlegende Veränderungen zu reagieren, sagte Merkel.

75 000 Ärzte hören auf

Einzelpraxen, so wie bisher die Regel, seien nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, erläuterte Merkel. Es werde also verstärkt ärztliche Zentren geben müssen. Bis 2020 werde es einen Ärzteschwund von 75 000 Medizinerinnen und Medizinern in Deutschland geben, kündigte Merkel an. Und das seien nur diejenigen, die regulär das Rentenalter erreichten.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wurde nun eine Hausarzt-Akademie ins Leben gerufen, mit dem Ziel, junge Ärztinnen und Ärzte auf ihrem Weg zum „Arzt für Allgemeinmedizin“, also zum Hausarzt, aus einer Hand weiterzubilden und sie zu unterstützen. Dazu gehört, so erläuterte Anja Csenar, Zukunftsbeauftragte des Landkreises, die klinische Weiterbildung ebenso wie die Unterstützung bei der Niederlassung, der Wohnungssuche und Kinderbetreuung oder ein gutes Gehalt. Einen ausführlichen Bericht über die Hausarztakademie lesen Sie in einer unserer nächsten Ausgaben.

Den Einfluss des Landes auf die Kassenärztliche Vereinigung dürfe man jedoch nicht überbewerten, bremste der Sozialminister dahin gehende Erwartungen.

Spannend fand er jedoch das Modell Hausarztakademie. Man müsse zudem über andere Vergütungsstrukturen und die Teilung von Arztsitzen nachdenken, sagte Grüttner.

Von Christine Zacharias

Kommentare