Livio Cecini ist der „Mann mit Huhn“ in „Carmen“ – Von Hanny hat er sich leiten lassen

Vielleicht ist es Liebe

Ein eingespieltes Team: Livio Cecini, der im Musical „Carmen“ einen verwirrten Kriegsversprengten spielt, mit Hanny. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Jung und attraktiv sollte sie sein, die Partnerin von Livio Cecini. Gleich ein ganzes Produktionsteam hat nach ihr gesucht und ist auf einem Eiterfelder Bauernhof fündig geworden.

„Als es mich das erste Mal gesehen hat, hat es gleich ein Ei gelegt. Das werte ich mal als Freundschaftsangebot“, erzählt der Schauspieler, der als „Mann mit Huhn“ in „Carmen - ein deutsches Musical“ mit seiner gefiederten Partnerin, dem Huhn Hanny, auf der Festspiel-Bühne steht.

Livio Cecinis Rolle ist die eines geistig verwirrtem Kriegsversprengten, der keinen Schritt ohne sein Huhn tut. „Sein Bauernhof ist niedergebrannt, seine Frau und die Kinder wurden in ein Konzentrationslager gebracht. Nur das Tier konnte er retten“, erklärt der 33-Jährige seine Rolle.

Rolle eine Herausforderung

Als Cecini sich für die Rolle bewarb, wusste er noch nichts von seiner lebenden Partnerin: „Ich dachte, ich bekomme ein Stofftier auf die Schulter gesetzt.“ Vor Hanny hatte er dementsprechend großen Respekt: „Am Anfang sogar ein bisschen Angst.“ Tiere und Kinder seien gefährliche Partner auf der Bühne, „denn sie stehlen jedem Schauspieler die Show.“

Wenig Text und ein Huhn – „eine herausfordernde Rolle, auf die ich sehr stolz bin“, erklärt der Darsteller und verschwindet in der Toilette, um Papiertücher zu holen. Wenn man auf der Bühne nur selten sprechen müsse, denke man ständig darüber nach, wie man sich in der Zwischenzeit bewegt, welchen Gesichtsausdruck man zeigt: „In den ersten Proben war ich sehr aufgekratzt. Bis ich mich auf Hanny eingelassen habe. Sie hat entschieden, welche Gesten ich mit ihr machen kann.“

Das Huhn hatte großen Einfluss auf die Rolle: „Die Kopfbewegungen als Mann mit Huhn habe ich von Hanny. Ich habe sie beim Körnerpicken beobachtet und gedacht, dass dieses nach vorne schnellen des Kopfes auch zu der Rolle passt.“

Nicht in jeder Vorstellung kann Cecini die gleichen Bewegungen zeigen, Improvisation gehört dazu. Will Hanny nicht mehr auf seiner Schulter sitzen bleiben, muss er sie runterlassen. „Und wenn sie mir auf den Arm macht, dann ist das eben so“, sagt der Schauspieler und wischt mit den Papiertüchern routiniert den Hühnerkot vor dem Eingang zu Festspielkantine weg, den Hanny beim Foto-Termin hinterlassen hat. Je jünger ein Huhn ist, desto eher gewöhnt es sich an den Trubel um sich. Dressiert wurde Hanny nicht. „Manchmal sollte man sich keine Gedanken machen, warum etwas funktioniert“, meint der gebürtige Schweizer, der in Köln und Karlsruhe zum Schauspieler ausgebildet wurde. „Vielleicht ist es ja Liebe“, fügt er hinzu und lacht.

Körner in der Hosentasche

Nach den Vorstellungen geht es für Hanny zur Erholung sofort wieder auf den Bauernhof. Die „Arbeitsbedingungen“ wurden auf eine Anzeige besorgter Tierschützer hin bereits von einer Veterinärin untersucht und für gut befunden (wir berichteten). Cecini achtet auf ausreichend Wasser, läuft seit Probenbeginn mit Körnern in der Hosentasche durch den Stiftsbezirk.

Ob er gerne Hühnchen isst? „Ja, esse ich. Hanny würde ich aber nicht essen. Was einen Namen hat, kommt nicht auf den Teller.“ Wenn er über das Tier spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen: „An ihrer weißen Feder am Rücken würde ich sie in einer Schar von 100 Hühnern wiedererkennen.“

Nicht die einzige „Frau“

Hanny ist nicht die einzige Frau im Leben des Schauspielers. Cecinis Freundin lebt in Kassel, gemeinsam wollen sie bald in die Schweiz ziehen. Cecinis tierische Freundin würden sie gerne mitnehmen: „In der Nähe meiner Eltern ist ein Hühnerhof, da würde sie sich bestimmt wohl fühlen“, sagt er und hofft auf ein Ja des Landwirts.

Von Sonja Broy

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