Prof. Dr. Christoph Englert berichtet Schülern über seine Arbeit als Genetikforscher

Vieles ist vorherbestimmt

Die Gene der Einzelnen: Das DNA-Entschlüsselungsprojekt des amerikanischen Biochemikers Craig Venter war der Aufhänger eines Vortrages von Prof. Dr. Christoph Englert (links) an der Modellschule Obersberg. Foto:  Deppe

Bad Hersfeld. Nur wenig im Leben eines Menschen ist dem Zufall überlassen. Diesen Eindruck kann man schnell gewinnen, wenn man den Worten Christoph Englerts lauscht. Am Dienstag hielt der Professor für molekulare Genetik am Leibnitz-Institut für Altersforschung in Jena einen Vortrag über Genetik vor Oberstufenschülern der Modellschule Obersberg.

Wichtig außerhalb der Schule

Biologielehrerin Corina Klose hatte den Kontakt über das vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft initiierte und finanzierte Projekt „Forschungsbörse“ geknüpft. Ziel des Projektes ist es, Schülern die Möglichkeit zu geben, sich von Wissenschaftlern über deren Forschungsgebiete informieren zu lassen. „Auf diesem Weg können die Schüler sehen, dass die Unterrichtsinhalte auch außerhalb der Schule eine Relevanz haben und es Menschen gibt die damit arbeiten“, sagte Klose.

Auf den Vortrag von Christoph Englert waren die Schüler im Unterricht gut vorbereitet worden. „Genetik“ ist das Halbjahresthema der Biologie-Leistungskurse. Die Grundlagen, mit denen Englert seinen Vortrag begann, waren den Oberstufenschülern bekannt. Nach ein paar Minuten reservierten Zurückhaltens stellten sie dem – von Corina Klose als „echter Forscher“ vorgestellten – Wissenschaftler interessiert Fragen zur seinem Forschungsschwerpunkt.

Englert erklärte in seinem 90-minütigen Vortrag unter anderem, welche individuellen körperlichen Eigenschaften bei der Entschlüsselung eines Genoms bestimmt werden können. Neben Haut- und Augenfarbe können die Forscher sogar feststellen, zu welcher Konsistenz das Ohrenschmalz eines Lebewesens neigt. Zudem kann die Anfälligkeit für vererbbare Krankheiten – wie beispielsweise Alzheimer oder Parkinson – oder das Risiko eines Herzinfarkts festgestellt werden.

Englert thematisierte daher auch die ethischen Zweifel, die mit der DNA-Entschlüsselung einhergehen. „Jeder Mensch muss das Recht haben, nicht alles wissen zu müssen“, sagte Englert. Zumal die Genetikforschung bei Diagnosen zwar sehr weit vorangeschritten, die Therapiemöglichkeiten aber häufig noch nicht ausgereift seien.

Neben den wissenschaftlichen Aspekten warb Englert auch für den Beruf eines Biologen und skizzierte teilweise humorvoll seinen Lebensweg. Als Doktorand hatte er Bakterienkulturen untersucht, die nur in bestimmten Salzseen vorkommen. Als er seiner Großmutter zum wiederholten Male versuchte seine Arbeit zu erklären, habe diese ihn gefragt: „Ist das denn wichtig? Mach" doch mal lieber was mit Menschen!“ Englert befolgte den Rat und kam zur Genetik – näher am Menschen geht es kaum.

Von Lasse Deppe

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