Altersarmut zeigt sich an steigender Zahl von Menschen, die trotz Rente arbeiten müssen

Viele Rentner jobben noch

Hersfeld-Rotenburg. Immer häufiger steigen die Menschen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht mit 65 Jahren aus dem Berufsleben aus. Sie verlagern es höchstens und arbeiten weiter in Mini-Jobs, um ihre Rente aufzubessern. Laut der Bundesagentur für Arbeit gingen im Jahr 2000 noch 801 Männer und Frauen über 65 für geringe Entlohnung arbeiten. Ende 2008 waren es bereits 1110. Tendenz steigend.

Interessant sei laut Melanie Bonacker von der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld auch, welche Mini-Jobs die Menschen aus Hersfeld-Rotenburg annehmen, die älter sind als 65 Jahre. Laut einer Auswertung mit Stand vom 31. März 2009 arbeiten die meisten Rentner für 400 Euro monatlich als Raum- und Haushaltsreiniger (134). Danach folgen Kraftfahrzeugführer (123), Bürofachkräfte (91), Pförtner und Hauswarte (85), Lager- und Transportarbeiter (83), Verkäufer (51), Bürohilfskräfte (32) und andere. Besonders selten arbeiten Rentner in unserem Kreis als Fleischer (6), Musiker und Tischler (jeweils 7).

In Online-Stellenangeboten werden sogar spezielle Rentner-Jobs angeboten, wie Fahrer, Hausmeister und Co. Bei der Arbeitsagentur im Kreis gäbe es das nicht, sagt Bonacker. Zumindest nicht unter dieser Bezeichnung. Doch geringfügige Stellen als Servicekraft, Packhilfe, Raumpfleger und Küchenhilfe seien aktuell vorhanden.

„Viele Leute können von ihrer Rente nicht mehr leben. Sie genieren sich aber, zum Sozialamt zu gehen, weil die Nachkriegsgeneration es gewohnt war, sich selbst zu versorgen“, sagt Angelika Kappes, Geschäftsführerin von Verdi im Bezirk Osthessen. Schuld daran seien die mehrfach geänderten Rentenberechnungsformeln, die unterm Strich weniger übrig lassen.

Daher fordert Ellen Schütrumpf, Kreisvorsitzende des Sozialverbands VdK, unter anderem, dass die gesetzliche Rente nicht weiter in Richtung Grundsicherung heruntergefahren werden dürfe. „Was für Banken und Großunternehmen gilt, muss auch für Rentner und sozial Schwache gelten. Gerade sie brauchen den Rettungsschirm des Staates“, sagt Schütrumpf. zum tage

Von Judith Strecker

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