Bundestrend bestätigt: 23 Prozent weniger Betriebe seit 2001

Viele Kneipen im Kreis müssen schließen

Hersfeld-Rotenburg. Jede vierte Kneipe in Deutschland ist seit dem Jahr 2001 geschlossen worden. Das geht aus den Zahlen des statistischen Bundesamtes hervor. Dieser Trend ist auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg erkennbar. Dort sank die Zahl der Schankwirtschaften laut statistischem Landesamt von 130 im Jahr 2001 auf 100 im Jahr 2010. Das entspricht einem Minus von 23 Prozent.

Bundesweit ist die Zahl der Schankwirtschaften seit 2001 von 48 000 auf 36 000 in 2010 zurückgegangen. Die Gründe für das Kneipensterben seien vielfältig, sagt der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Waldhessen (Hoga), Hanns-Karl Madelung. Eine Ursache liege im gesetzlichen Rauchverbot, nach dessen Einführung viele Kneipenbesucher zuhause geblieben seien.

Eine Konkurrenz für die Gaststätten, insbesondere in den Dörfern, stellten Sportlerheime oder Dorfgemeinschaftshäuser dar. „Jeder kennt irgendeinen, der jemanden kennt, der in dem Verein Mitglied ist“, beschreibt Madelung, wie sich ein Vereinsheim schleichend zur öffentlichen Gaststätte entwickle. Als Beispiele für vom Steuerzahler subventionierte Konkurrenz nennt Madelung auch das Bistro Konrads in der Bad Hersfelder Erlebniswelt wortreich oder die Jugendherbergen, in denen Familienfeiern ausgerichtet werden.

Daneben sei der Betrieb von Kneipen auch eine Generationenfrage. Wenige junge Leute seien bereit, das mühsame und wenig ertragreiche Geschäft von ihren Eltern zu übernehmen. Auch die aus seiner Sicht einseitigen Kostenabwälzung der Brauereien auf das Fassbier habe Einfluss auf das Fernbleiben der Gäste.

Was einem Dorf fehle, werde erst klar, wenn die letzte Gaststätte geschlossen sei, betont Madelung. Ein Bürgermeister in einem Bayerischen Dorf habe dazu einen treffenden Satz geprägt: „Stirbt die Kneipe, stirbt auch der Ort.“

ZUM TAGE,

HINTERGRUND, SEITE 2

Von Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare