Kreistag debattiert über Suedlink – Bürgerprotest formiert sich – Informationsveranstaltung in Niederaula

Viele Fragen zur neuen Trasse

Die Lebensadern der Energiewende: Stromtrassen werden gebraucht, um beispielsweise die Energie aus den Offshore-Windparks in der Nordsee ins Hinterland zu transportieren. Foto: dpa/Archiv

Hersfeld-Rotenburg. Nach der heftig umstrittenen 380-kV-Leitung, spaltet nun auch die so genannte Suedlink-Trasse die Region. Im Kreistag prallten dazu am Montagnachmittag die Meinungen aufeinander. „Der Trassenbetreiber Tennet ist unfähig, die richtigen Erklärungen zu geben“, sagte SPD-Fraktionschef Manfred Fehr. Die Menschen in der Region fühlten sich veralbert.

Auch Kirchheims Bürgermeister Manfred Koch geißelte die Informationspolitik von Tennet und klagte darüber, dass immer die ohnehin schon stark belasteten Gemeinden neue Bürden aufgehalst bekommen. Koch hat inzwischen zusammen mit seinen Kollegen Walter Glänzer aus Neuenstein und Thomas Rohrbach aus Niederaula einen alternativen Trassenverlauf erarbeitet, der die Siedlungsgebiete verschonen würde. Unterdessen organisieren sich vor Ort bereits die Bürger und sammeln Unterschriften gegen Suedlink.

„Bürger nicht allein lassen“

Das berichtet auch Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer: „Aus meiner Sicht wird durch die Planung weiterer Trassen auf einem engen Korridor, der immer wieder durch die gleichen Regionen führt – und weitere sind zu befürchten – die sicherlich richtige Energiewende in unserer Region in Frage gestellt.“ Auch in seiner Gemeinde formiere sich bereits der Widerstand.

Landratskandidat Jörg Brand (FWG) begrüßt den geschlossenen Protest gegen die neue Trasse ebenfalls. Jetzt gelte es den Bürgern zu zeigen, dass die Politik hinter ihnen steht und sie nicht allein lässt.

Die Grünen im Kreistag verteidigen indes die Suedlink-Trasse: „Wir wollen nichts schön reden und die Bedenken der Bürger ernstnehmen, aber es gibt keinen Grund zu Panik“, sagte Grünen-Fraktionschef Jörg Althoff. Er betonte, dass die Trasse zum Gelingen der Energiewende gebraucht werde.

Sein Fraktionskollege Christian Eimer, der Arzt ist, warnte davor, in der Diskussion „Äpfel mit Birnen“ zu vergleichen. Eine Gleichstromleitung wie Suedlink sei anders als die 380-kV-Starkstrom-Trasse auch aus gesundheitlicher Sicht weniger schädlich. Eimer plädierte ebenfalls für Aufklärung und Transparenz, machte aber deutlich, dass die Grünen die pauschale Ablehnung der Trasse nicht mittragen. Gleichwohl beschloss der Kreistag mehrheitlich den bisher von Tennet vorgestellten Trassenverlauf abzulehnen.

Informationen am 22. Juli

Am Dienstag, 22. Juli, soll nun eine Bürgerinformationsveranstaltung in der Großsporthalle Niederaula stattfinden an der neben Tennet auch die Bundesnetzagentur teilnehmen werden. Dabei wollen die betroffenen Kommunen noch einmal ihre Forderungen deutlich machen: Keine Gesundheits-Risiken für die Anwohner, keine ortsnahe Trassenführung, keine „Monster“-Strommasten, keine weitere Verschandelung unserer Landschaft.

Von Kai A. Struthoff

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