Häufig zu leichtfertige Verordnung – Wirksamkeit sinkt

Zu viele Antibiotika für kleine Kinder

Hersfeld-Rotenburg. Mehr als jedes zweite Kind bis sechs Jahren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat im Jahr 2010 mindestens einmal ein Antibiotikum verordnet bekommen.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Sozialpolitik der Uni Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Während bundesweit in einigen Kreisen nur rund 25 Prozent der Kinder ein Antibiotikum erhielten, knapp jedes vierte, waren es im hiesigen Kreis 56 Prozent. Der Durchschnitt aller bundesdeutschen Kreise liegt bei knapp 50 Prozent.

In der Studie wurden auch die Antibiotika-Verordnungen aller Kinder und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren untersucht: 40 Prozent bekamen danach 2010 im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein Antibiotikum. Hier schwankt die Zahl in anderen Kreisen zwischen 19 und 52 Prozent, der Durchschnitt liegt bei knapp 34 Prozent, wobei laut Studie generell in Bayern und Baden-Württemberg sowie ganz im Norden am meisten Zurückhaltung geübt wird. Von den Erwachsenen bekam bundesweit nur jeder dritte ein Antibiotikum.

Die Studie fördert aber nicht nur regionale Unterschiede zu Tage. Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordnet jeder dritte Allgemeinmediziner Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und nur neun Prozent der HNO-Ärzte.

Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Dieter Gobrecht, kannte die Studie noch nicht, bestätigte aber eine bisweilen zu leichtfertige Indikationsstellung und bemängelte, dass häufig auf Tests zur Keimbestimmung verzichtet werde, etwa beim Harnwegsinfekt.

Durch einen zu häufigen und unnötigen Einsatz von Antibiotika werde die Entstehung von resistenten Keimen gefördert, und bei ersthaften Infektionen wirkten dann die herkömmlichen Antibiotika nicht mehr.

ZUM TAGE, SEITE 2

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

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