Skepsis überwiegt bei hitziger Bürgerversammlung über geplante Rotoren im Stadtwald

Viel Wind um Wehneberg

Bad Hersfeld. Wer Wind sät, wird Sturm ernten, heißt es im Alten Testament. Und entsprechend stürmisch ging es auch auf der Bürgerversammlung in der Stadthalle zu, bei der die ABO-Wind AG aus Wiesbaden ihre Pläne für einen Windpark mit acht Türmen im Stadtwald am Wehneberg vorstellte. Das Unternehmen war unter drei Bewerbern vom Magistrat nach einem Beschluss der Stadtverordneten ausgewählt worden.

Präsentationsfolien der ABO-Wind AG

Die Befürworter des Projekts waren an diesem Abend aber in der Minderheit – Skepsis, Ablehnung und viele Emotionen überwogen. Dabei bemühten sich Oliver Bieber und sein Projektleiter Florian Lüders redlich, alle Fragen zu beantworten und die Befürchtungen zu zerstreuen, nachdem zuvor Julian Adler vom Planungsbüro Holger Fischer aus Linden die gesetzlichen Vorgaben und Regeln erläutert hatte.

Ein Windmessmast überprüft zurzeit die Windhöffigkeit am Wehneberg bei Heenes. Foto: Maas

„Am Wehneberg gibt es keine Ausschlusskriterien, die einen Windpark unmöglich machen würden“, sagte Lüders. Die Windhöffigkeit liege im Mittel bei 5,9 Metern pro Sekunde, alle vorgeschriebenen Siedlungsabstände würden eingehalten, es gebe keine Schwarzstörche und Rotmilane, und auch die Kraniche zögen vornehmlich durchs Fuldatal, erläuterte er die Ergebnisse der Voruntersuchungen. Die Schallimission soll demnach bei 35 Dezibel in den angrenzenden Wohngebieten am Wehneberg und in Heenes liegen – zum Vergleich: Ein brummender Kühlschrank gibt 50 Dezibel von sich. „Aus der Innenstadt werden die Windräder nicht zu sehen sein“, sagte Lüders. Wohl aber vom Johannesberg, aus Heenes und Allmershausen, wie Animationen zeigten. Außerdem verwiesen die Windkraft-Betreiber auf die möglichen Einnahmen für die Stadt durch den Windpark.

All das konnte die Zuhörer nicht überzeugen: „Ist es sinnvoll, den Wald zu zerstören, wenn doch an anderen Orten mehr Wind weht“, meinte Anwohnerin Ingrid Gebhardt. Thomas Fasshauer sorgte sich um den Wert der Immobilien in der Umgebung und CDU-Stadtrat Günter Exner fand schon den Begriff Windpark für eine solche „Industrieanlage verniedlichend“. Auch Bürgermeister Fehling machte aus seinem Herzen keine Mördergrube und erklärte erneut: „Ich bin gegen die Windkraft da oben“, was ihm viel Beifall einbrachte.

Befürworter, wie etwa der Grüne Kreistagsabgeordnete und Förster Jörg Althoff, verwiesen auf die gemeinsam gefassten Beschlüsse des Hessischen Energie-Gipfels wonach zwei Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen vorgehalten werden sollen, um den Atomausstieg zu bewerkstelligen – doch er blieb in der Minderheit.

Stadtverordnetenvorsteher Prof. Lothar Seitz verwies abschließende auf das laufende Anhörungsverfahren. „Das Thema ist noch nicht abgeschlossen, Sie können sich noch dazu äußern.“ Am Wehneberg dürfte es also noch weiter windig bleiben.

Hintergrund

Von Kai A. Struthoff

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