Geteiltes Echo auf Pläne des Altbürgermeisters für einen Wald-Windpark am Wehneberg

Viel Wind um Boehmer

Riesige Windräder drehen sich in unserem Kreisteil bereits an der Autobahn in Kirchheim. Foto: lö

Bad Hersfeld. Die Ankündigung von Altbürgermeister Hartmut H. Boehmer, auf dem Wehneberg einen Windpark im Wald zu errichten, ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bürgermeister Thomas Fehling hat von dem Vorhaben acht Riesenwindräder aufzustellen, wie die meisten Hersfelder aus der Zeitung erfahren. Vorgespräche über das Projekt habe es mit ihm nicht gegeben. „Dieses Anliegen wird in gleicher Art und Weise bearbeitet, wie jede Anfrage eines anderen Bürgers“ erklärte Fehling deshalb auch relativ kühl.

Noch viele offene Fragen

Das Projekt werfe noch zahlreiche Fragen auf, die „intensiv betrachtet werden müssen“. Vor allem seien Gutachten notwendig, die noch nicht vorlägen. Die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit des Vorhabens könne er noch nicht beurteilen, die politische Entscheidung über das Projekt liege bei den Stadtverordneten, sagte Fehling.

Zugleich kündigte Fehling an, dass die Stadt derzeit an einem Konzept arbeite, wie sich die Bürger über einen Fonds oder eine neue Genossenschaft an örtlichen und überregionalen Energieprojekten beteiligen können. Dazu kündigte der Bürgermeister baldige Informationen an.

„Wir begrüßen jede Initiative, die die Wirtschaftskraft stützt und zur umweltverträglichen Energieversorgung beiträgt“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Neuen Bürgerliste NBL, Michael Bock. Er würde es aber begrüßen, wenn die Federführung für das Projekt bei den Stadtwerken liegen würde und eine breite Bürgerbeteiligung möglich wäre.

Boehmer arbeitet bei dem Projekt mit seinem alten Weggefährten Ingo Sauer, mit dem er auch den nicht unumstrittenen Umbau der Dippelmühle realisiert hatte, zusammen. Bock kommentiert das knapp: „Es geht um die Sache, nicht um die Personen.“ Natürlich wären beide nicht altruistisch tätig, sondern wollen Geld verdienen – was aus Bocks Sicht völlig legitim ist.

Juristische Bedenken hingegen bleiben. Um das Windpark-Projekt zu realisieren, müsste zunächst Baurecht geschaffen werden. Dann müsste das Vorhaben öffentlich ausgeschrieben werden, weil es möglicherweise für die Stadt günstigere Bieter geben könnte. Zudem müsste vorab geklärt werden, welche Anbindungskosten entstehen.

Eine Menge Holz

Auch Hans-Jürgen Schülbe hat keine Vorbehalte gegen die Projekt-Partner Boehmer und Sauer – „zumal sie ja ordentlich Pacht zahlen wollen“. Zur Diskussion stehen neben der Gewerbesteuer ein Nutzungsentgelt von 108 000 Euro.

Diese Summe überzeugt auch den Grünen Jörg Althoff. „Da muss man eine Menge Holz für schlagen“, sagt Althoff, der hauptberuflich Revierförster in Biedebach ist. Ein solches Waldareal erbringe sonst pro Jahr Einnahmen von 70 000 bis 80 000 Euro rechnet er vor. Dennoch will Althoff dem Vorhaben „keinen Persilschein“ geben.

Zwar sei der geplante Standort forstwirtschaftlich unproblematisch, er fürchte aber negative Einflüsse auf die Vogelwelt. Wie Kraniche, Spechte und der Rote Milan auf 140 Meter hohe Windräder reagieren, müsse zunächst untersucht werden.

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Er selbst bereitet in der Gemarkung von Mecklar ein Projekt vor, das den Arbeitstitel Bürger-Windrad trägt. Das Vorhaben wird zeitnah präsentiert. Die Zeit drängt.

Von Kai A. Struthoff

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