Viel Wasser und einige begossene Pudel

Kai A. Struthoff

Na, das neue Jahr fängt ja gut an! Nach dem Schnee kommt das Wasser – und vor allem in Bad Hersfeld stehen einige wie begossene Pudel da. Die Stadt streitet über den angekündigten Boehmer-Rücktritt, und im Kreis können viele nur mit dem Kopf schütteln über die fast schon sprichwörtlichen „Hersfelder-Verhältnisse“.

Dabei hat sich Boehmer doch nur so verhalten, wie wir ihn seit vielen Jahren kennen: Als kapriziöses Sensibelchen, fachkompetent und fleißig zwar – ohne Frage, aber eben auch wenig kritikfähig. Denn wer, wenn nicht er, hätte genau wissen müssen, was da auf ihn zukommt und welche Reaktionen sein Agieren hervorrufen würde. Gleichzeitig aber wird schon hinter den Kulissen kolportiert, dass der Alt-Bürgermeister unter gewissen Voraussetzungen „im Interesse der Sache“ durchaus auch vom Rücktritt zurücktreten würde – wahrscheinlich müssten dafür aber alle lieb bitte, bitte sagen.

Bürgermeister Thomas Fehling erhebt unterdesse schwere Vorwürfe, er sei vor seinem Amtsantritt nur unzureichend informiert worden. Auch in die Sozialplan-Verhandlungen für die Vitalisklinik war er offenbar nicht eingeweiht. Das geht so natürlich nicht! Dabei macht auch die Stadt-SPD um Lothar Seitz keine gute Figur und zeigt sich als schlechter Wahlverlierer.

Wenn sie jetzt lautstark fordert, Fehling müsse sofort die Verantwortung für die städtischen Gesellschaften übernehmen, dann ist das ziemlich unfair. Auch SPD-Bürgermeisterkandidat Gunter Müller hatte betont, wie komplex die Aufgabe ist, und war ganz froh darüber, Boehmer dafür zu haben.

Gewiss, Thomas Fehling hatte im Wahlkampf stets seine große Erfahrung als Projektmanager herausgestellt – die könnte er jetzt beweisen. Dennoch tut der neue Bürgermeister gut daran, sich dabei nicht treiben zu lassen. Das Projekt Schilde-Park ist für die Stadt und den Kreis zu wichtig, als dass es gefährdet werden dürfte. Das sollten vor allem jene Schlaumeier bedenken, die jetzt alles besser wissen.

In Rotenburg geht derweil das Bangen um den Bundeswehr-Standort weiter. Auch das ist eine wichtige Zukunftsentscheidung, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Verteidigungsminister Guttenberg dreht zurzeit an einem großen Rad. Dem Vernehmen nach soll es auch bei anderen nordhessischen Standorten massive Einschnitte geben. Nichts Genaues weiß man – Gerüchte schwirren umher.

Ob freilich die Millionen-Investitionen in die Kaserne Grund genug sind, um den Rotenburger Standort zu sichern, ist fraglich. Bei der Bundeswehr-Reform geht es um ganz andere Beträge. Dennoch ist jetzt die Zeit, um geschlossen Flagge zu zeigen und klar zu machen: Wir kämpfen dafür, dass die Bundeswehr in Rotenburg bleibt!

Nach der Weihnachtspause füllt sich der Redaktionskalender inzwischen wieder rasant. Vor allem die Neujahrsempfänge stehen an. Erst die Kreishandwerker, am Wochenende die FDP, heute in Bebra – dann Alheim, die Bundeswehr, die Wirtschaftsjunioren und noch viele andere.

Es ist also wohl noch nicht zu spät, Ihnen allen ein frohes und glückliches neues Jahr zu wünschen – mal sehen, was es uns so bringt!

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