Viel Theater um die Oper, eine rauschende Linde und ein bisschen Neid

Kai A. Struthoff

Das Aus für die Oper war das Thema der vergangenen Woche. Seither klingeln bei uns die Telefone, und die Anhänger von Professor Heinrich schreiben böse Leserbriefe. „Kniefällige Hofberichterstattung“ und „Verlogenheit“ wird der HZ vorgeworfen. Okay, das halten wir aus. Schließlich darf ja jeder frei seine Meinung äußern.

Aber ich bleibe dabei: Dem Arbeitskreis für Musik (AfM) und Professor Heinrich wurden „Goldene Brücken“ gebaut. So macht Kulturminister Boris Rhein in einem persönlichen Brief an Professor Heinrich, der auch uns vorliegt, dem AfM weitreichende Zugeständnisse: Der AfM darf eine eigene künstlerische Leitung verpflichten, die selbstständig die Opernproduktion vorbereitet und verantwortet – freilich in Abstimmung mit der Festspielleitung, also Intendant Dieter Wedel und Geschäftsführer Stefan Pruschwitz. Die Kosten für den künstlerischen Leiter trägt übrigens das Land.

Außerdem darf der AfM bis zu fünf Festspiel-Konzerte veranstalten und 80 Prozent der Einnahmen daraus behalten. Soviel also zu dem Vorwurf, der AfM werde finanziell „ausgetrocknet“. Auch die bewährte Zusammenarbeit mit den osteuropäischen Ensembles soll möglichst beibehalten werden. Professor Heinrich wird von Minister Rhein zudem höflichst aufgefordert, doch bitte einen Vorschlag für seinen Nachfolger zu machen, um den „Übergang für alle Seiten gesichtswahrend und mit der ihm gebührende Ehre“ vornehmen zu können.

Ich finde, diese Vorschläge sind fair, aber vielleicht sind sie vielen AfM-Mitgliedern und Opern-Freunden gar nicht bekannt? Denn schließlich passt all das so gar nicht ins gern kolportierte Bild vom bösen „Großwildjäger Wedel“, der die arme Oper abschießt.

Fast ebenso heiß wie die Oper wird immer noch über den Vorschlag des Lullusfest-Vereins diskutiert, der ein größeres Festzelt für Lolls ins Gespräch gebracht hat. Dafür müsste dann aber womöglich die Linde an der Feuergrube weichen – was viele empört.

Ich habe jetzt mit Thomas Bronswyk, dem neuen Betreiber des Festzelts gesprochen, der die hitzige Debatte mit Sorge verfolgt. Bronswyk stellt klar, dass er keineswegs das Fällen der Linde gefordert hat, denn natürlich kennt er die Gegebenheiten vor Ort. Ohnehin denkt er nicht an ein „Monster-Zelt“ wie man es vom Münchener Oktoberfest kennt, sondern nur an den Aufbau von verschiedenen Ebenen. Allerdings würde eine größere Grundfläche weitere Aufbauvarianten ermöglichen, sagt Bronswyk. Es sei jedoch Sache der Stadt Bad Hersfeld, ob sie als Veranstalter eine solche größere Grundfläche zur Verfügung stellen will.

Für die Aufregung, die nicht nur die Linde rauschen lässt, ist also gar kein Grund. Es ist doch nur lobenswert, dass der Lullusfest-Verein über neue Chancen für Lolls nachdenkt und dabei mit Thomas Bronswyk einen professionellen und kompromissbereiten Partner hat.

Unterdessen hat offenbar auch der Hessische Rundfunk entdeckt, wie schön es bei uns im Kreis Hersfeld ist. Gestern war die Hessenschau da, demnächst startet hier die HR4-Radtour, und Ende August wird ein ganzer Film für die Reihe „Herrliches Hessen“ produziert.

Ein wenig neidisch werde ich schon, wenn ich sehe mit wie viel Personal, Fahrzeugen und Technik die Fernseh-Kollegen immer anrücken. Unser Gebühren-Geld macht’s möglich.

Wir von der HZ arbeiten da sparsamer: Uns genügen Stift, Block und Fotoapparat, um Sie zu informieren.

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