Kirchenvertreter der Region reagieren

Viel Respekt für den Schritt des Papstes

Hersfeld-Rotenburg. Überrascht und verständnisvoll – so reagieren die Vertreter der Kirchen im Landkreis auf den gestern bekanntgewordenen Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Als „Donnerschlag, der für uns aus heiterem Himmel kam“, bezeichnet Monsignore Bernhard Schiller, Moderator des Pastoralverbandes St. Lullus Hersfeld-Rotenburg, die Rücktrittsentscheidung des Papstes. „Wir glauben an die tiefere Leitung und Führung der Kirche. Es wird weiter gehen“, sagt Schiller. Zwar habe der Papst in jüngerer Vergangenheit Signale ausgesendet, die auf den Rücktritt schließen ließen.

Überraschend

Dennoch komme diese Entscheidung für die Gläubigen überraschend. „Die Kirche kennt den Zustand von zwei Päpsten nicht“, betont Bernhard Schiller. Weil Benedikt XVI angekündigt habe, sich zurückzuziehen und sein Leben dem Gebet zu widmen, bestehe jedoch nicht die Gefahr einer Kirchenspaltung. Benedikts Entschluss, den Petrusdienst wegen schwindender Kräfte aufzugeben, bezeichnet Schiller als „Entscheidung der Demut und der Klugheit“.

Neue Impulse

„Ich zolle dieser einmaligen Entscheidung größten Respekt“, betonte Ulrich Brill, Dekan des evangelischen Kirchenkreises Hersfeld, kurz nachdem er gestern vom Rücktritt des Papstes erfahren hatte. Ein hohes Amt im rechten Moment abzugeben, sei ein Kennzeichen von Menschenwürde, betont Brill. „Auch ich als evangelischer Christ wünsche ihm alles Gute; und dass seine Entscheidung die richtige war“, so der Dekan. Nach der Wahl eines Nachfolgers hofft Brill, dass im Dialog zwischen katholischer und evangelischer Kirche „ein neuer Frühling einzieht“. Der Wechsel an der Spitze der katholischen Kirche biete die Chance für neue Impulse in der Ökumene, die unter dem konservativen Papst ins Stocken geraten sei.

„Großen Respekt“ nötig die Entscheidung des Papstes zum Rücktritt Gisela Strohlriegl ab. Die Dekanin des Kirchenkreises Rotenburg war sehr überrascht, als sie die Nachricht während einer Autofahrt im Radio hörte. „Für mich kam das unvermittelt, ich hatte vorher keine Anzeichen wahrgenommen.“

Wenn man die Begründung des Papstes für diesen Schritt lese, spüre man, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Dass er Konsequenzen ziehe, weil körperliche und geistige Kräfte für das anstrengende Amt nicht mehr ausreichten, verdiene Achtung.

Von Silke Schäfer-Marg und Jan-Christoph Eisenberg

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