Mehr zum Thema: Bernd Riexinger besuchte Amazon-Streikende in Bad Hersfeld

Viel Lob vom Linken-Chef

Protest am Lullus-Brunnen: Rund 400 Streikende haben sich nach Gewerkschaftsangaben gestern an der Demonstration in Bad Hersfeld beteiligt. Sie zogen durch die Stadt zum Rathaus. Fotos: Struthoff

Bad Hersfeld. „Über Euch lacht die Sonne, über das Verhalten von Amazon lacht die ganze Welt“, rief Linken-Chef Bernd Riexinger mit fast überschnappender Stimme den streikenden Mitarbeitern von Amazon im Schilde-Park zu. Tatsächlich hatte sich da gerade die Sonne durch den Herbst-Nebel gequält und wärmte die Arbeitskämpfer von Amazon etwas auf.

Riexinger hatte die eigentliche Kundgebung am Lullus-Brunnen verpasst, weil die Bahn Verspätung hatte – „und das ganz ohne Bahnstreik“. Dafür heizte er den Amazoniern danach mächtig ein.

„Ihr habt mehr Geld verdient, als ihr bekommt“, sagte er unter dem Jubel der Streikenden. Ein Tarifvertrag sei keine Utopie oder eine Vision, sondern sollte eine Selbstverständlichkeit sein, erklärte der Linken-Chef, der selbst in seiner Stuttgarter Heimat Verdi-Gewerkschaftssekretär war. Er ermutigte die Streikenden ihren Arbeitskampf auch im Weihnachtsgeschäft fortzusetzen, denn dann werde Amazon besonders empfindlich getroffen.

Zuvor waren rund 400 streikende Amazon-Mitarbeiter mit Trillerpfeifen und Transparenten durch die Bad Hersfelder Innenstadt gezogen und hatten teilweise den Verkehr auf dem Stadtring lahmgelegt.

Am Lullusbrunnen hatten dann der Verdi-Bezirksleiter Jürgen Bothner, Andreas Huhn von der IG-Metall aus dem VW-Werk in Baunatal und Jürgen Hinzer von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss Gaststätten „solidarische Grüße“ überbracht. Hinzer verglich den Amazon-Arbeitskampf mit ähnlichen Tarifauseinandersetzungen bei Burger King und Mc Donalds – ebenfalls US-Konzerne. Jürgen Bothner stellte klar, man sei nicht gegen Amazon, sondern für einen Tarifvertrag und bescheinigte den Streikenden, sie schrieben Geschichte.

Von Kai A. Struthoff

Kommentare