Fast 14 Prozent der Menschen im Kreis gelten laut Sozialatlas als arm

Zu viel Armut in einem reichen Land

Hersfeld-Rotenburg. Zwölf von 100 Kindern im Kreis Hersfeld-Rotenburg leben von Sozialhilfe, in Bad Hersfeld ist es sogar jedes fünfte Kind (SGB II). Sie gelten als arm, ebenso wie rund 14 Prozent der gesamten Bevölkerung im Kreis. Dabei heißt arm nicht, dass die Menschen hungern müssten. Als arm gilt in der Europäischen Union vielmehr jeder, der über weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügt.

„Armut bemisst sich nach dem, was andere haben“, erklärt Marion Raub von der Projektstelle gegen Armut in Bebra. Sie wird getragen vom Zweckverband für Diakonie in den Kirchenkreisen Hersfeld und Rotenburg, dem Kirchenkreis Rotenburg, der Caritas und der Auferstehungskirche Bebra. Armut in einem reichen Land bedeute im Unterschied zu Armut in einem armen Land, „dass die Armen vom Wohlstand umgeben sind, der ihnen zeigt, dass sie ‘versagt’ haben“, erklärt Marion Raub.

In Bebra zum Beispiel lebten nach dem Sozialbericht 2009 mehr als zehn Prozent von Sozialhilfe. Ein besonderes Armutsrisiko besteht für Alleinerziehende und für Menschen mit ausländischen Wurzeln. Ausgegrenzt und ausgelacht zu werden, weil man bestimmte Konsumgüter nicht habe, sei schmerzvoller, als mal ohne Abendessen ins Bett zu gehen, erläutern Raub und Inge Ulber von der Bebraer Tafel, die auch eine Ausgabestelle in Rotenburg hat.

Kinderarmut in Deutschland zeige sich unter anderem daran, dass die Kinder mit jahreszeitlich unpassender Kleidung in die Schule kämen, ohne Frühstück. Dass Geburtstage nicht gefeiert würden. Die Kinder hätten schlechtere Bildungschancen, schlechtere Zähne, seien anfälliger für chronische Krankheiten und würden kulturell ausgegrenzt, etwa, weil sich die Betroffenen einen Kinobesuch nicht leisten könnten. SEITE 2 ZUM TAGE, HINTERGRUND

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Kommentare