Mit der Komödie „Traumfrau Mutter“ startet das Abo-Theater in die neue Saison

Verzweifelte Heldinnen

„Traumfrau Mutter“ ist eine Satire über eine Generation von Müttern - mit den Müttern Maria Schuster, Ilona Scholz, Simone Grunert, Katharina Hoffmann und Kathleen Gallego-Zapata (v.l.).

Bad Hersfeld. Von der Geburt der Kinder bis zur Menopause gewähren fünf gestandene Mütter in einer turbulenten Mischung aus Satire und Komödie Einblick in ihren grauen Alltag. Bei der deutschen Fassung des kanadischen Erfolgsstückes „Mom’s the Word“ führt der Komiker Ingolf Lück Regie.

Die Bühne gehört den großartigen Schauspielerinnen Simone Grunert, Ilona Scholz, Kathleen Gallego-Zapata, Maria Schuster und Katharina Hoffmann, die als „Heldinnen der Verzweiflungstat“ das überwiegend weibliche Publikum am Samstag in der fast ausverkauften Stadthalle köstlich amüsierten.

Jede der fünf Frauen erzählt ihre eigene, persönliche Geschichte mit einer großen Portion Selbstironie und vollem Körpereinsatz. Kathleen Gallego-Zapato stand trotz echtem Kreuzbandriss auf der Bühne und dann setzten in ihrer Rolle auch noch die Wehen ein. Kaum ist das Baby da, wird es gestillt und das ist „die Hölle für die Brustwarzen“.

Muttermilch und Bauklötze

Die Muttermilch spritzt auf die mit überdimensionalen Bauklötzen kindgerecht gestaltete Bühne, im Hintergrund ruft Heintje nach „Mama“. Die Mütter, von dem Spagat zwischen Kindern, Karriere und Kerlen völlig erschöpft, sehnen sich vor allem nach Schlaf und haben jede für sich einen großen Wunsch: „Ich möchte endlich wieder allein auf dem Klo sitzen“.

Der Wiedererkennungsfaktor ist enorm, statt der Beckenbodenmuskulatur werden an diesem Abend die Lachmuskeln trainiert. Die kuriose, nicht immer jugendfreie Inszenierung bekommt durch die zu Herzen gehenden, versöhnlichen Zwischentöne und die deutlich werdende bedingungslose Mutterliebe einen ganz eigenen Charme.

Diese rührenden Momente täuschen aber nicht darüber hinweg, dass „Kinder Mogelpackungen sind“. Das wird spätestens in der Pubertät deutlich, wenn die lieben Kleinen ihre Mütter „wie Dreck behandeln“.

Das ist genau die Zeit, in der die späten Mütter in die Menopause kommen, ihre Intelligenz wieder finden, dafür aber noch immer nicht die Deckel richtig zudrehen können.

Der Körper verändert sich nachteilig, die Brüste erliegen der Erdanziehungskraft. Simone Grunert hat ganz offensichtlich ein gutes Verhältnis zu „ihren beiden großen Mädels“. Das Gekreische im Publikum war groß, als sie völlig nackt aus der Umkleidekabine im Schwimmbad sprang, um ihren Sohn Jonas zu suchen.

Gefeierte Supermütter

Einzelne Besucher konnten mit so viel Mut, muffelnden Windeln und vollgekotzter Kleidung nicht allzu viel anfangen und verließen vorzeitig den Saal. Alle anderen feierten die „Supermütter“ mit nicht enden wollendem stürmischem Applaus.

Von Gudrun Schmidl

Kommentare