Zur Eröffnung der Festspiel-Saison lädt der Chorverein zum „Hersfelder-Kultstück“ ein

Verzückt vom Lied der Hexe

Ernst von Wildenbruch

Bad Hersfeld. Zum 60. Festspieljubiläum lädt der Chorverein Bad Hersfeld zu einem Festkonzert am Sonntag, 25. April, 19:30 Uhr in die Stadthalle Bad Hersfeld ein. Im ersten Konzertteil gibt es dabei ein Wiederhören mit dem „Hexenlied“ von Ernst von Wildenbruch. Es wurde von dem berühmten Wagner-Dirigent und Komponist Max von Schillings als Melodram vertont und instrumentiert.

Die Ballade, die Wildenbruch im Kloster zu Hersfeld spielen lässt, war über Jahrzehnte so eine Art „Kultstück der Hersfelder“ und wurde wiederholt vor der Gründung der Festspiele aufgeführt. Das romantische Werk schildert die tragische Geschichte des im Hersfelder Kloster lebenden Mönches Medardus. Als für ihn das letzte Stündlein gekommen ist, beichtet er.

Mit Schaudern hören der Prior und die Mitbrüder sündige Klänge aus seiner Zelle ertönen. Dann offenbart Medardus ihnen seine Verfehlungen: Als junger Priester sollte er einer als Hexe Verurteilten die Beichte abnehmen. Vom Leid und einem Liebeslied der jungen Frau war er so betört, dass er fast der Versuchung erlegen wäre. Doch er musste mit ansehen, wie sie singend auf dem Scheiterhaufen starb. Ihr süßes Bild verfolgte ihn durch „fünfzig Jahr voll Buße und Pein“. Im Tod erwarte er nun die ewige Vereinigung mit ihr. Verzückt stirbt Medardus. Ratlosigkeit bleibt.

Der damals berühmte Rezitator Ernst von Possart animierte Max von Schillings die Wildenbruch-Ballade zu vertonen. Zahlreiche Aufführungen des Hexenliedes führten ihn bis nach Russland. Noch größeren Bekanntheitsgrad erlangte das Stück durch den großen deutschen Schauspieler Ludwig Wüllner, der das Melodram 1920 auch in der Stiftsruine aufführte. Es folgten weitere Aufführungen, zuletzt 2001 mit Elmar Gunsch in der Stiftsruine.

Am 25. April 2010 wird Schauspieler Jochen Striebeck aus München den Wildenbruch-Text rezitieren, begleitet von den groß besetzten Frankfurter Sinfonikern. Die Leitung hat Helgo Hahn.

Zur Krönung eine Messe

Der zweite Konzertteil wird eingeleitet mit Vokal-Kompositionen von Hans Petsch aus Festspiel-Inszenierungen der ersten zehn Jahre. Hans Petsch war Mit-Initiator, Komponist und musikalischer Leiter der Bad Hersfelder Festspiele bis in die Mitte der 70er Jahre. Er ist auch der Komponist der Festspiele-Fanfare.

Den Abschluss des Konzerts bildet die „Krönungsmesse“ KV 317 in C-Dur. Sie ist wohl eine der populärsten Kirchenkompositionen Mozarts. Nach Rückkehr von seiner schicksalsvollen Reise nach Mannheim wurde sie von Mozart für eine Feier komponiert, die alljährlich zur Erinnerung an die Krönung des Gnadenbildes in der Wallfahrtskirche Maria Plain bei Salzburg stattfand.

Als Solisten konnten bewährte und in Hersfeld bereits bekannte Künstler verpflichtet werden. Den Sopran-Part übernimmt Katja Bördner, die das Konzertpublikum schon in der Operetten-Gala begeisterte. Die weiteren Solisten sind Katja Plessing (Alt), Thomas Ströckens (Tenor) und Michael Junge (Bass). Es spielen die Frankfurter Sinfoniker, die Gesamtleitung hat Helgo Hahn. (red)( † Hintergrund

† Karten zu 14 Euro (freie Platzwahl) sind erhältlich in der Kartenzentrale am Markt (Tel. 06621-201360) und im Modehaus P. K. Wolff, Badestube (Tel. 06621-14694).

Kommentare