Montagsinterview mit dem neuen Vorstandsmitglied der VR-Bank, Hartmut Apel

Verwurzelt, aber weltoffen

Vom Auszubildenden zum Vorstand: Hartmut Apel vor der Zentrale der VR-Bank Bad Hersfeld-Rotenburg. Dass die Mitarbeiter aus der Gegend kommen, hält er für einen großen Vorteil der regionalen Banken. Foto: Janz

Bad Hersfeld. Hartmut Apel ist neues Vorstandsmitglied der VR-Bank Hersfeld-Rotenburg. Wenn sein Vorgänger Roland Tries Ende April in den Ruhestand geht, verantwortet er gemeinsam mit Thomas Balk die Geschicke der größten Genossenschaftsbank im Landkreis. Wir sprachen mit dem 48-jährigen Meckbacher über seine neuen Aufgaben und die Vorzüge, in der Region verwurzelt zu sein.

Herr Apel, Sie sind vom Auszubildenden bei der ehemaligen Raiffeisenbank Niederaula-Kirchheim zum Vorstandsmitglied der VR-Bank aufgestiegen – immer im gleichen Haus. Hat es Sie nie gereizt, mal woanders Ihr Glück zu versuchen?

Hartmut Apel: Nein, überhaupt nicht. Ich bin stolz darauf, dass ich hier arbeiten darf, wo meine Familie lebt, wo ich zu Hause bin. Und ich bin stolz darauf, an der Weiterentwicklung unserer Heimatregion mitarbeiten zu dürfen.

Sie sind ihrer Heimat sehr verbunden?

Apel: Ja. Ich wohne zeitlebens in Meckbach und bin dankbar, dass ich nicht weit zur Arbeit pendeln muss. Ich bin hier sehr verwurzelt, hoffe aber dennoch in meinem Denken und Handeln weltoffen zu sein.

Warum hat sich die VR-Bank eigentlich nicht mal neues Blut von außen in den Vorstand geholt?

Apel: Natürlich wäre das denkbar, aber der Aufsichtsrat hat diese Entscheidung bewusst so getroffen, dass der zukünftige Vorstand von hier kommt und unser Haus, unsere Kunden und die Region kennt. Denn es ist kein austauschbarer Job, sondern die Arbeit muss mit Herzblut gemacht werden. Das gilt übrigens für alle unsere Mitarbeiter. Sie leben hier und können nicht einfach den Standort wechseln. Ich sehe das als großen Vorteil, denn wir können es uns nicht leisten, unseren Kunden unpassende oder unseriöse Produkte anzubieten, wenn wir ihnen jeden Morgen beim Bäcker begegnen.

Die Zinsen sind seit langer Zeit extrem niedrig. Wie können Sie Ihren Kunden noch attraktive Renditen bieten?

Apel: Zunächst einmal bieten wir unseren Kunden die Anlage, die sie wünschen. Unsere genossenschaftliche Beratung orientiert sich an den Lebenszielen und Herzenswünschen unserer Kunden. Ob das Geld konservativ oder renditeorientiert angelegt wird, hängt immer davon ab, was unsere Kunden in ihrer jeweiligen Situation möchten.

Wie halten Sie es denn ganz persönlich mit dem Risiko bei der Geldanlage?

Apel: Ich spekuliere nicht, aber ich bin auch nicht so konservativ, dass ich bei den niedrigen Zinsen real Geld verlieren möchte. Insofern passe ich ganz gut in ein genossenschaftliches Bankhaus.

Die Niedrigzinsphase ist nicht nur für die Anleger ein Problem, sondern auch für die Banken selbst. Wie können Sie noch genug Gewinn erwirtschaften?

Apel: Wir legen fast zwei Drittel unserer Bilanzsumme in Krediten an unsere Kunden an. Das ist übrigens auch ein Teil unseres Förderauftrags. Das Geld kommt der regionalen Wirtschaft und den Menschen hier zugute. Maximaler Gewinn ist gar nicht unser Antrieb. Unser Ziel ist es, einen angemessen Gewinn zu erzielen, um diesen Förderauftrag erfüllen zu können. Mehr muss nicht sein. Das ist Genossenschaft.

Zu Ihren Aufgaben im Vorstand gehört auch die Regulatorik. Wie gehen Sie mit den steigenden Auflagen von Bankenaufsicht und anderen um?

Apel: Jeden Tag gibt es neue Anforderungen von deutscher und verstärkt auch von europäischer Finanzaufsicht. Das in Einklang zu bringen, wird immer schwieriger. Dazu kommt dann noch die steigende Zahl an Vorschriften des Verbraucherschutzes. Das sind neben den niedrigen Zinsen mit die größten Herausforderungen für Banken heutzutage. Das führt in vielen Regionen schon jetzt dazu, dass sich Häuser zusammenschließen, um die Anforderungen bewältigen zu können.

Sie haben selbst schon Fusionsgespräche mit der VR-Bank Werra-Meißner geführt, die voriges Jahr aber zurückgestellt wurden. Wie ist der aktuelle Stand?

Apel: Wir führen weiter gute Gespräche über Möglichkeiten einer sinnvollen Zusammenarbeit. Und das nicht nur mit den Kollegen in Hessisch-Lichtenau, sondern auch mit den anderen Genossenschaftsbanken der Region, die die gleichen Herausforderungen wie wir in der Zukunft zu bewältigen haben. Für uns ist dabei aber vor allem wichtig, eine starke Regionalbank im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu bleiben.

Von Marcus Janz

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