Montagsinterview: Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr (SPD) ist nicht amtsmüde

Verwalten und gestalten

Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr (SPD) beim Interview mit unserer Zeitung in seinem Amtszimmer im alten Rathaus der Fuldastadt. Foto: Struthoff

Rotenburg. Harte Zeiten für Rotenburgs Bürgermeister und den SPD-Fraktionschef im Kreistag, Manfred Fehr. Bei der Kommunalwahl hat er die SPD-Mehrheit im Stadtparlament verloren, und die Partei musste auch im Kreis Federn lassen. Im September sind zudem Bürgermeisterwahlen in Rotenburg.

Herr Fehr, wie viel persönliche Verantwortung tragen Sie für das schlechte Abschneiden der SPD im Kreis und in Rotenburg?

Manfred Fehr: Die SPD hat fast überall Stimmen verloren. Gewonnen haben die Grünen. Bei der Kommunalwahl geht es um die Zusammensetzung von Kreis- und Stadtparlamenten. Und erst in zweiter Linie und in einem komplizierten System um Einzelkandidaten. Wir haben unsere Arbeit ordentlich gemacht. Daher kann ich auch ganz gut zu meiner Verantwortung stehen.

Sie werden künftig im Kreistag auf die Grünen angewiesen sein. Welche Zugeständnisse müssen Sie machen?

Fehr: Wir sprechen mit allen Parteien. Ob es zu einer Koalition oder einer Kooperation kommt, ist noch offen. Somit auch die Frage nach Zugeständnissen. Wir haben bisher immer die kleineren Parteien mit eingebunden. Es geht um eine vernünftige Sachpolitik für den Kreis, die den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommt.

Landrat Schmidt will den Sparkurs fortführen und auch die Sozialleistungen auf den Prüfstand stellen. Machen Sie dabei mit, oder halten Sie an nicht zu finanzierenden Forderungen wie dem kostenlosen Schulessen für alle fest?

Fehr: Die meisten Sozialausgaben sind gesetzlich festgeschriebene Pflichtaufgaben. Das weiß auch Dr. Schmidt. Wenn man sich das derzeitige Drama um das Bildungspaket und den damit verbundenen Verwaltungsaufwand ansieht, wäre es viel vernünftiger, ein kostenloses Mittagessen für alle anzubieten. Dann gäbe es auch keine Brandmarkung von Bedürftigen. Stattdessen aber wird ein Bürokratie-Monster geschaffen.

In Rotenburg gibt es mittlerweile so was wie den „Helmut-Kohl-Effekt“. Erstwähler kennen gar keinen anderen Bürgermeister als Sie. Könnte es sein, dass mancher „Fehr-müde“ ist?

Fehr: (lacht) Das will ich nicht ausschließen. Wenn man seit 17 Jahren im Amt ist, dann konnte man nicht immer alle Wünsche erfüllen. Wer Ja sagt, ist beliebt, aber wenn man das erste Mal Nein sagt, erscheint man uneinsichtig oder überheblich. Im Amt kann man leider nicht nur Wohltaten verteilen. Wer als Politiker Entscheidungen treffen muss, darf dabei nicht auf die Beliebtheitsskala schielen.

Deshalb werfen Ihnen manche Bürger Arroganz vor. Fehlt Ihnen die Bürgernähe?

Fehr: Ich erfülle als Bürgermeister gern meine Pflicht. Und das auch dann, wenn dicke Bretter zu bohren sind. Arroganz ist mir fremd.

Auf Ihrer Homepage fällt auf, dass das Thema Jugend gar nicht vorkommt. Haben Sie für junge Leute nichts anzubieten?

Fehr: Wir haben die Inliner-Anlage, die Biker-Anlage eingerichtet, die Münscherhalle für Sprayer freigegeben, die Stadtjugendpflege als freiwillige Leistung erhalten, und wir stellen auch städtische Einrichtungen für Veranstaltungen bereit. Rotenburg hat sich in den 17 Jahren zu einer Stadt mit einer vielfältigen und sympathischen Szene entwickelt. Dafür muss ich mich nicht auf meiner Homepage loben. Eines aber ist wahr: Es fehlt leider oft das Geld für weitere kommunale Jugendprojekte.

Könnte das gute Abschneiden Ihres Kontrahenten Christian Grunwald bei der Kommunalwahl daran liegen, dass er für junge Wähler glaubwürdiger erscheint?

Fehr: Es ist keine Kunst, jung zu sein. Wohl aber, als erfahrener und älterer Mensch noch im Geiste jung zu bleiben. Glaubwürdigkeit erweist sich erst im Amt. Fordern und als Kandidat etwas versprechen ist leichter als verantwortungsbewusstes Gestalten.

Auf welche Errungenschaften Ihrer 17-jährigen Arbeit in Rotenburg sind Sie besonders stolz?

Fehr: Gemeinsam haben wir in Rotenburg viel erreicht: Das Hochwasserschutz-Konzept funktioniert, und den Leuten laufen nicht mehr die Keller voll. Nebenbei hat es Naherholungsgebiete geschaffen und sich für die Natur bewährt. Wir haben hervorragende Dorferneuerungen in den Stadtteilen bewirkt, verfügen über ein attraktives Freibad, moderne Spielplätze und Kindergärten, haben den Bundeswehr-Standort erhalten können und auch in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze erhalten oder neu geschaffen. Mit dem Muzkkka verfügen wir über etwas ganz Einzigartiges. Die Rotenburgerinnen und Rotenburger können auf ihre Stadt stolz sein.

Manche halten Sie nach 17 Jahren als Bürgermeister für amtsmüde.

Fehr: Ich habe noch genug Ideen und Pläne, um gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern unsere Stadt voran zu bringen. Die Zeiten werden nicht einfacher, die Herausforderungen immer größer. Da gilt es, erfahren und erfolgsorientiert zu gestalten und zu verwalten. Dazu bin ich gerne bereit.

Von Silke Schäfer-Marg und Kai A. Struthoff

Kommentare