Finanzberater veruntreute das Geld einer früheren Schulfreundin – Freiheitsstrafe

Vertrauen enttäuscht

Bad Hersfeld. Die finanzielle Lage des Angeklagten ist desolat, der Gang in die Privatinsolvenz wohl nur noch eine Frage der Zeit: 350 000 Euro ist sein Schuldenberg hoch, 80 Gläubiger stehen bei ihm Schlange.

Zu diesen zählt auch eine Schulfreundin des heute 48-jährigen Rotenburgers. Ihr hatte der ehemalige Finanzberater 2008 eine sichere Anlage für ihre Ersparnisse in Höhe von rund 70 000 Euro versprochen, doch das Geld anschließend zum größten Teil für private Zwecke verwendet.

Wegen Untreue wurde der heute in einem Nachbarkreis lebende Angeklagte vom Strafrichter des Amtsgerichts Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem verhängte Richter Elmar Schnelle eine Geldauflage von 400 Euro.

Die Finanzkrise, schlechte Geschäfte und unzuverlässige Partner auf der einen sowie ein hoch belastetes Erbe auf der anderen Seite hatten den redegewandten Rotenburger in Schwierigkeiten gebracht.

Schlechte Erfahrungen

Der Einlage der ein Jahr jüngeren Schulfreundin sah er sich nicht nur wegen der persönlichen Bekanntschaft, sondern auch deshalb besonders verpflichtet, weil die Kauffrau zuvor mit einer anderen Vermögensberatung schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

Es sei nie seine Absicht gewesen, dieses Geld zu veruntreuen, sagte der 48-Jährige. Doch er habe sich in einer „Notsituation“ befunden. Also legte er lediglich 12 000 Euro wie verabredet an, und missbrauchte den Rest dafür, an anderer Stelle Finanzlöcher zu stopfen. „Er hat sich Luft verschafft“, brachte es Richter Schnelle auf den Punkt.

Als die in Aussicht gestellten Zinszahlungen immer öfter ausblieben, kündigte die Schulfreundin ihr Investment. Doch zurückzahlen konnte der Rotenburger im Jahre 2012 bis auf kleine Abschläge nichts mehr. Heute arbeitet er für ein bescheidenes Einkommen als Angestellter im Marketingbereich eines Hotels.

Im Gerichtssaal beteuerte der 48-Jährige ein um das andere Mal, dass er den angerichteten Schaden wieder gut machen wolle – angesichts der Gesamthöhe seiner Verbindlichkeiten allerdings nur ein Lippenbekenntnis.

„Mein Leben ist kaputt“

Die geprellte Kauffrau brach bei ihrer Zeugenaussage in Tränen aus. „Mein Leben ist kaputt“, sagte sie, denn der Verlust sämtlicher Familienersparnisse hatte ihr auch eine erhebliche Gewichtszunahme und psychische Probleme eingebracht.

Das Urteil, das noch einen Monat über dem Antrag der Staatsanwaltschaft lag, wurde im Einverständnis aller Beteiligten sofort rechtskräftig.

Von Karl Schönholtz

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