Montagsinterview mit Harald Schmidt von der DAK über die neue Gesundheitskarte

Vertrauen ist die Basis

Der Leiter des DAK-Servicezentrums, Harald Schmidt, an der Kamera, mit der in der Geschäftsstelle die Bilder für die neue Gesundheitskarte gemacht werden. Das „Fotomodell“ im Hintergrund ist DAK-Mitarbeiterin Regina Janowitz. Foto: Kai A. Struthoff

Hersfeld-Rotenburg. Die neue elektronische Gesundheitskarte ist vor allem wegen möglicher Datenschutzprobleme umstritten. Dennoch läuft derzeit bei allen Krankenkassen die Auslieferung. Über das Für und Wider der neuen Gesundheitskarte sprach Kai A. Struthoff mit dem Leiter des DAK-Servicezentrums Harald Schmidt.

Herr Schmidt, welche Vorteile versprechen sich die Krankenkassen von der neuen Gesundheitskarte?

Harald Schmidt: Die neue Gesundheitskarte ist mit einem Foto versehen. Dadurch kann die Karte nicht mehr so leicht weitergegeben werden. Das verhindert den kriminellen Missbrauch. Das Foto wird aber erst ab einem Alter von 15 Jahren eingesetzt, weil sich bei Kindern das Aussehen noch stark verändert. Auch Bewohner von Pflegeheimen beispielsweise müssen kein Foto haben. Die DAK unterstützt die neue Karte, weil sie auch dazu beiträgt, teure Mehrfachuntersuchungen zu vermeiden und die Behandlungen für die Patienten transparenter macht.

Genau das bezweifeln Ärzte. Sie sagen, der Datenaustausch funktioniere auch ohne Gesundheitskarte und Mehrfachuntersuchungen würden aus Kostengründen ohnehin vermieden, wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.

Schmidt: Der ärztliche Nutzen ist in diesem ersten Stadium der Gesundheitskarte sicher noch begrenzt. Und natürlich tauschen sich die Ärzte problemlos aus. Aber die Patienten selbst haben durch die neue Karte die Möglichkeit, zum Beispiel im Urlaub, jederzeit Infos über Diagnosen und Medikamente zu erhalten.

Dafür werden große, sehr vertrauliche Datenmengen gespeichert. Sind diese Daten wirklich gut geschützt?

Schmidt: Über Datensicherheit wird in allen Bereichen diskutiert. Immer wieder dringen Hacker in Computersysteme ein. Sie könnten also genauso die Computer einer Arztpraxis hacken. 100-prozentige Sicherheit gibt es sicher nirgends. Aber die Patientendaten werden mit einem digitalen Schlüsselsystem doppelt gesichert. Sie sind also nicht auf dem goldfarbenen Chip der Karte gespeichert, sondern dort liegen, bildlich gesprochen, lediglich die Schlüssel für die Datenschließfächer. Nur Patient und Behandler gemeinsam können darauf zugreifen.

Diese Daten hätten auch gern die Krankenkassen, befürchten jedenfalls die Ärzte, die Angst haben, dass man ihnen ins Handwerk pfuscht.

Schmidt: Diese Sorge verstehe ich. Aber die Kassen wollen nicht in Behandlungsabläufe eingreifen. Die Sachbearbeiter der Krankenkassen müssen diese Informationen auch nicht haben, denn wir sind keine Mediziner. Natürlich wollen wir mit den Ärzten nach günstigeren und schnellen Versorgungswegen suchen – aber das tun wir auch jetzt schon. Den Arzt wollen wir dabei nicht umgehen. Und ohne die Zustimmung des Versicherten können wir ohnehin nichts machen ...

Also muss der Patient Ihnen vertrauen?

Schmidt: Vertrauen ist immer die Basis – das gilt für den Patienten und den Arzt, aber auch für die Krankenkasse und den Mediziner. Wenn wir dieses Vertrauen verlieren, funktioniert das ganze System nicht mehr. Abgesehen davon besteht aber auch ein gesetzlicher Zwang, die neue Karte einzuführen. Daran kommen auch wir nicht vorbei.

Dr. Martin Ebel, der Sprecher der Hausärzte hier im Kreis, hat unlängst in unserer Zeitung dazu aufgerufen, die neue Gesundheitskarte zu boykottieren und lieber die alte weiterzunutzen . Was sagen Sie dazu?

Schmidt: Die Resonanz auf die neue Karte ist bei unseren Versicherten groß und meist auch positiv. Wir machen hier auch direkt im Servicezentrum die Fotos dafür – in den letzten Wochen werden es um die 500 gewesen sein. Dabei haben wir auch mit den Kunden gesprochen. Wer kein Bild haben will, braucht das auch nicht. Aber wir sehen derzeit keine Probleme mit der Akzeptanz. Die Diskussion mit den Versicherten ist entspannt.

Wie viele Karten haben Sie schon ausgeliefert?

Schmidt: Seit letztem Jahr läuft die Auslieferung. Im vergangen Jahr mussten wir nach Vorgabe des Gesetzgebers zehn Prozent der Versicherten damit ausstatten. In diesem Jahr sollen es dann bis zu 60 Prozent sein. Wir schreiben im Moment Kunden aus den Buchstabengruppen K bis N an. Aber durch direkte Kontakte haben auch schon andere Kunden die neue Gesundheitskarte erhalten. Wir liegen gut im Zeitplan.

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