Montagsinterview mit Dr. Martin Ebel zur angekündigten Schließung des St. Elisabeth-Krankenhauses in Bad Hersfeld

Vertragskündigung wie eine kalte Enteignung

Dr. Martin Ebel (52) ist einer der beiden gewählten Sprecher des Hausärzteverbandes im Bezirk Hersfeld-Rotenburg. Foto: Kessler

Hersfeld-Rotenburg. Völlig überraschend für die heimische Ärzteschaft kam das Aus für das katholische Krankenhaus St. Elisabeth im Bad Hersfelder Kurpark. Die St.-Vinzenz-Krankenhausgesellschaft, die Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg, das Klinikum Bad Hersfeld und das Hessische Sozialministerium haben vereinbart, dass St. Elisabeth im Frühjahr 2012 in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Tagesklinik und Ambulanz umgewandelt wird. Über die Konsequenzen sprachen wir mit Dr. Martin Ebel, einem der Sprecher des Hausärzteverbandes im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Ist da noch etwas zu retten für ihre Kollegen aus der Ärzteschaft und die Patienten?

Dr. Martin Ebel: Durch die Schließung von St. Elisabeth wird die Vielfalt des Klinik-Angebotes in unserer Gegend zweifellos geschmälert. Viele Patienten haben die familiäre Atmosphäre des Krankenhauses geschätzt und St. Elisabeth als Behandlungsort bevorzugt. Trotz der bekannten Schwierigkeiten des Hauses erfolgte der Beschluss über die Schließung scheinbar im Handstreich, selbst für die Betroffenen.

Nahezu ein Dutzend niedergelassener Ärzte ist durch die Umwandlung des Hauses mehr oder minder betroffen. Kann Ihr Verband da heilend eingreifen?

Ebel: Wir können im Grunde gesagt nur unsere Meinung dazu äußern und unser Bedauern darüber zum Ausdruck bringen, dass das Krankenhaus schließt. Es ist sicher wichtig, die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung im Landkreis auszubauen. Hierfür haben wir einen enormen Bedarf. Was uns als Hausärzteverband stört, ist die Art, wie der Klinikträger mit unseren Kollegen umgeht. Die unvorhersehbare Kündigung der Verträge, die einem Hinauswurf gleicht, ist nicht gerade eine Werbung, um junge Ärzte in unseren Kreis zu locken.

Sehen Sie eine Möglichkeit, den Belegärzten zu helfen?

Ebel: Ich sehe die Chance, dass die Belegärzte am selben Ort oder anderswo ihre Tätigkeit fortführen können. Für uns unverständlich ist, dass man nicht beides versucht. Also, die Kinder- und Jugendpsychiatrie zu schaffen und wenigstens den beiden Ärzten, die als Unfallchirurgen oder Geburtshelfer ihren Sitz in St. Elisabeth haben, eine Fortführung ihrer Tätigkeit zu ermöglichen. Sonst wäre die Kündigung ihrer Verträge nichts anderes als eine kalte Enteignung. Es muss möglich sein, ihnen andere Räume im Haus oder in der Nähe anzubieten. Auch das Klinikum Bad Hersfeld käme hierfür infrage, da es natürlicherweise an einer guten Kooperation mit allen niedergelassenen Ärzten interessiert ist.

Von Kurt Hornickel

Kommentare