Montagsinterview mit Elisabeth Feik-Schreiber von der Verbraucherberatung

„Vertrag ist Vertrag“

Bücher und Zeitschriften gehören auch im Internet-Zeitalter zur Standardlektüre von Elisabeth Feik-Schreiber als Leiterin der Verbraucherberatung Bad Hersfeld. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Wo es früher noch um Haushaltsführung, Küchengeräte oder Blumenpflege ging, ist heute Fachwissen im Vertragsrecht gefragt. Seit 50 Jahren ist die Verbraucherberatung Bad Hersfeld im DHB-Netzwerk (früher Deutscher Hausfrauen-Bund) Landesverband Hessen e.V. Anlaufstelle für Ratsuchende. Seit 2010 befindet sich die Beratungsstelle am Neumarkt. Am Freitag, 8. November, wird das Jubiläum im Landratsamt groß gefeiert. Wir sprachen vorab mit Leiterin Elisabeth Feik-Schreiber.

Im Internet findet heute jeder Informationen zu allen möglichen Themen. Es gibt Foren, in denen Produkte und Dienstleistungen bewertet werden. Wofür brauchen wir noch eine Verbraucherberatung wie Ihre?

Elisabeth Feik-Schreiber: Eine Verbraucherberatung brauchen Sie, weil nicht jeder Fall gleich ist. Es gibt immer kleinere oder größere Abweichungen. Die genauen Umstände können nur durch ein persönliches Gespräch oder anhand von Unterlagen geklärt werden. Woran hapert es zum Beispiel in einem ganz konkreten Fall, welchen Wortlaut hat der Vertrag?

Verunsichern die vielen Informationen im Web die Verbraucher vielleicht eher?

Feik-Schreiber: Viele Kunden können das nicht richtig einordnen. Es gibt unterschiedliche Arten von Verträgen und viele Kunden sind zum Beispiel immer noch der Meinung, dass man so einen Vertrag einfach rückgängig machen kann. Aber das geht nicht. Vertrag ist Vertrag. Nur ganz bestimmte Verträge kann man innerhalb eines befristeten Zeitraums widerrufen oder von ihnen zurücktreten, zum Beispiel bei Versicherungen oder Fernabsatzverträgen.

Fernabsatz?

Feik-Schreiber: Das Fernabsatzgesetz regelt alle Geschäfte, die telefonisch, per Internet oder über Versandkataloge getätigt werden, inklusive Verträgen, die an der Haustür oder auf öffentlichen Plätzen geschlossen werden.

Wer kommt zu Ihnen und wie läuft eine Beratung ab?

Feik-Schreiber: Unsere Kunden stammen aus allen Bevölkerungsschichten. Vielfach kommen diejenigen zu uns, die sich keinen Anwalt leisten wollen oder können. Unsere Beratungen kosten je nach Aufwand bis zu zehn Euro. Wir klären voranwaltlich. Für weitergehende Fälle steht in der Beratungsstelle unser Rechtsanwalt für juristische Erstberatungen bereit, dessen Termine fast immer ausgebucht sind. Die Zahl der Kundenkontakte schwankt jahreszeitlich, im Jahr sind es um die 2000 Beratungen. Am häufigsten betroffen sind übrigens 18- bis 30-Jährige, nicht unbedingt Ältere.

Sie sind seit fast 25 Jahren dabei, wie haben sich Ihre Arbeit und die Ansprüche der Kunden verändert?

Feik-Schreiber: Als ich anfing, stand die Produktberatung noch im Vordergrund. Heute nimmt das Vertragsrecht großen Raum ein. Das hat sich zum Beispiel auch durch das Internet verändert, das Fernabsatzgesetz und die Freigabe des Strom- und Telefonmarktes. Wir müssen fundiertes Wissen über Verträge haben und den Kunden erklären, was im Kleingedruckten steht. Vor fünf, sechs Jahren waren Internet- und Telefonabzocke noch stark vertreten. Für unsere Jubiläumsfeier haben wir übrigens eine Präsentation vorbereitet zum Thema „Die Verbraucherberatung im Spiegel der Zeit, Beratung gestern und heute“.

Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Feik-Schreiber: Über den Träger der Beratungsstelle, den DHB, besuchen wir drei bis vier Fortbildungen pro Jahr. Wir informieren uns aber auch im Internet und privat über Fernsehsendungen, Zeitungen oder Fachzeitschriften. Stiftung Warentest, Finanztest und Ökotest gehören zur Pflichtlektüre. Verbraucherberaterin ist kein Ausbildungsberuf. Wir sind aber durch unsere unterschiedlichen Berufsausbildungen recht breit aufgestellt und haben uns in Lehrgängen im Verbraucherrecht für die Beratungspraxis qualifiziert.

Wo lauern ganz aktuell Gefahren für Verbraucher?

Feik-Schreiber: Immer aktuell sind laut unserer Statistik Nebenkostenabrechnungen, Versicherungen und Telekommunikationsverträge. Aber auch um Gas- und Strompreise geht es öfter. Wir warnen zudem vor sogenannten Fußgängerzonengeschäften, bei denen den Menschen Zeitschriftenabos unter fadenscheinigen Vorwänden untergejubelt werden.

Sind Sie als Verbraucherschützerin denn selbst schon mal auf einen Nepp hereingefallen?

Feik-Schreiber: (überlegt länger). Nein. Aber die versuchen es natürlich (lacht). Ich bin allerdings auch besonders sensibilisiert und misstrauisch. Und: man kann sich besser wehren, wenn man gut informiert ist.

Von Nadine Maaz

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