Meckbacher Mordprozess: Freispruch beantragt

Verteidiger spricht von Tyrannenmord

Fulda/Meckbach Jochen Kreissl, Verteidiger der Ehefrau des mit einem Kissen erstickten 67-Jährigen, hat im Meckbacher Mordprozess vor dem Landgericht Fulda Freispruch für seine Mandantin beantragt. Die 40-Jährige habe den Tatort bereits verlassen, als der Mann noch lebte. Sie habe zwar moralische Schuld auf sich geladen, aber nichts Strafbares getan.

Die Anwälte der 19 Jahre alten Tochter des Opfers und ihres 20 Jahre alten Freundes räumten ein, dass ihre Mandanten sich an einem gemeinschaftlich ausgeführten Mord beteiligt hätten. Sie beantragten Jugendstrafen von knapp sieben und knapp sechs Jahren. Die Jugendkammer des Landgerichts wird ihr Urteil am nächsten Mittwoch sprechen. Anwalt Kreissl beschrieb, wie sehr die Frau unter ihrem Mann gelitten habe. Er sei cholerisch und gewalttätig gewesen. Er habe sie ständig erniedrigt und oft misshandelt. Polizei und Notarzt seien bei der Familie Dauergäste gewesen: „In dieser Situation gab es kein Entrinnen für die Ehefrau.“ Der Verteidiger sagte, in einer solchen Lage dränge sich der Vergleich mit dem – moralisch gerechtfertigten – Tyrannenmord auf.

Die drei Angeklagten hätten gemeinsam einen Tatplan entwickelt, doch seien die beiden jüngeren Angeklagten dabei die entscheidenden Kräfte gewesen. „Meiner Mandantin ist die Idee nicht selbst gekommen“, sagte Kreissl. (vn) Seite 2

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