Wochenendporträt: Jan Luley organisiert den Bad Hersfelder Live-Jazz

Versunken in die Musik

New Orleans in Bad Hersfeld: Jan Luley organisiert das Live-Jazz-Wochenende vom 18. bis 20. September und ist gespannt auf den Erfolg des neuen Konzepts. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Nicht nur zu Weihnachten gab es bei Luleys daheim Hausmusik: Vater Roland packte die Posaune aus, die Mama blies auf der Querflöte, die Oma verlangte nach der Triangel und Sohn Jan setzte sich ans Klavier. Weil die musikalische Vorbelastung in der Familienchronik sogar noch weiter zurück reicht, war es am Ende kein Wunder, dass der Junior die Musik zum Beruf machte.

Rund 1500 Auftritte in 17 Ländern Europas, zwei afrikanischen Ländern und den USA hat der 44-Jährige mittlerweile hinter sich. Er hat mehrere CDs aufgenommen, und die Jazz-Metropole New Orleans ist ihm in all den Jahren zur „gefühlten zweiten Heimat“ geworden.

„Das ist wie Meditation. Alles tritt in den Hintergrund, und man nimmt nichts mehr wahr,“ beschreibt Luley sein Empfinden, wenn er die Klaviertasten drückt, „man versinkt darin.“

Wer allerdings annimmt, im Leben des Profis Luley vergehe nun kein Tag mehr ohne Musik, der liegt ziemlich daneben. „Zu viele“ seien es, sagt er, weil ein Großteil seiner Zeit für die Büroarbeit draufgeht. Luley ist sein eigener Manager, denn Reichtümer sind mit Jazzmusik kaum zu verdienen.

„Überall wird an der Kultur gespart, und die Bürokratie nimmt immer mehr zu. Alleine von Auftritten und Platten zu leben, das gelingt in Deutschland vielleicht fünf Prozent der Musiker“, weiß Luley.

Auch deshalb ist die Kontaktpflege in seinem Metier das A und O. „Es ist ein reiner Netzwerk-Beruf“, stellt er fest, der sich aus sich selbst entwickele. Glücklicherweise sei der Jazz jedoch nicht so schnelllebig wie die Pop-Musik, doch ohne stetiges Arbeiten und „Networking“ verliere man auch hier den Anschluss

Falsche Vorstellung.

Das hat Jan Luley bislang vermeiden können. Er ist ein gefragter Mann. Und so lebt er seine Mission, die Menschen mit Musik zu erreichen, zu berühren und mitunter zu überraschen. „Viele haben eine falsche Vorstellung vom Jazz. Was für die einen Dixieland ergrauter Herren ist, ist anderen verkopfte Rumdudelei. Es gibt aber ganz viel dazwischen, was groovt und richtig abgeht,“ sagt Luley und plädiert für das Live-Erlebnis „handgemachter Musik“.

Eben so wie bei Luleys zuhause. Da hatte der Herr Papa zunächst das Klavier besetzt und Jan im Gymnasialen Blas-Orchester (GBO) seiner Schule unter Helgo Hahn das Blasen der Posaune erlernt. Doch auch der Sohn liebte das Spiel auf den schwarzweißen Tasten und war eines Tages besser als der Senior. Also tauschten die beiden Luleys die Rollen – bis heute: Vater Roland spielt als Bandmitglied einer Jazzkapelle mittlerweile die Basstrompete, Sohn Jan ist der Mann am Klavier.

Dort ist sein Platz auch beim Eröffnungskonzert des Bad Hersfelder Live-Jazz 2015 am Freitag, 18. September, wenn das „Jan Luley Trio“ in der Stadthalle auftritt.  zur person, Text unten

Von Karl Schönholtz

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