Praktikantin Lea-Marie Brandau testet die Showtreppe von „Sunset Boulevard“

Der Versuch, eine Diva zu sein

Wackelig auf den Beinen: Lea-Marie Brandau läuft die Showtreppe hinab. Foto: Kaschik

Bad Hersfeld. Norma Desmond alias Helen Schneider schreitet die Showtreppe hin-ab. Die Zuschauer halten den Atem an, als die Diva in „Sunset Boulevard“ das erste Mal die Bühne betritt. Stöckelschuhe, langes Kleid und ein eleganter Gang. Was einfach aussieht, ist mehr als kompliziert. Ich habe die extra angefertigte Showtreppe ausprobiert.

Ausgefeilte Schrittfolge

Ich wage den ersten Aufstieg ohne langes Kleid und hohe Schuhe. Wenig elegant trampele ich die Stufen hoch. „Wir haben lange daran gefeilt, wie Helen am besten läuft“, erklärt mir Erik, der Regieassistent. Er macht es mir vor. Einen Schritt gehen und dann das andere Bein nachziehen.

Also ziehe ich meine hohen Hacken an und versuche es erneut. Lächelnd schreite ich hinauf, fühle mich etwas wie eine Diva. Allerdings begehe ich einen fatalen Fehler. Ich schaue nach unten. Alles beginnt sich zu drehen, und meine Hände werden feucht. Ich hatte verdrängt, dass ich Höhenangst habe. Der Blick durch die Stufen hindurch auf die Bühne war keine gute Idee. Schnell drehe ich mich um und versuche, mir nichts anmerken zu lassen. Mit schweißnassen Händen klammere ich mich an das Geländer und wage erst kurz vor Ende, die Hände locker zu lassen.

Langwieriger Aufbau

Mehr als anderthalb Stunden dauert der Aufbau der Treppe vor jeder Aufführung. Das Dach, unter dem sich Helen Schneider umzieht, muss extra montiert werden. Die Stufen sind mit 26 Zentimetern extra breit, und die Treppe ist mit über 20 Stufen sehr hoch. Die Konstruktion ist genau an die Ruine angepasst.

Fitnessstudio nicht nötig

Für das richtige Foto muss ich einige Male hoch- und runterlaufen, wobei ich das obere Ende ängstlich meide. Nach dem zehnten Mal Treppe steigen fangen meine Beine schon an zu schmerzen, und meine Haltung ist eindeutig verkrampft und nicht so locker leicht wie die der Helen Schneider. Wie das Ganze bei Regen funktionieren soll, kann ich mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen. Aber eines steht fest, ins Fitnessstudio muss man nach einem solchen Abend nicht mehr. Ich kann nur sagen: „Hut ab, Helen.“ Mein Respekt vor der großen Diva ist eindeutig noch größer geworden.

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