54. Festspielkonzerte: Märchenopern für die ganze Familie in der Stiftsruine

Als Versuch ausbaufähig

Präsentierten einen Märchenopern-Mix: Die Solisten des Familienkonzerts in der Stiftsruine mit dem Kontrabassisten und Dirigent Prof. Siegfried Heinrich (Zweiter von rechts). Foto: von Trott/nh

Bad Hersfeld. Auch Professor Siegfried Heinrich geht als künstlerischer Leiter der sommerlichen Festspielkonzerte und der Opernfestspiele neue Wege. Die Kosten müssen ja im Rahmen bleiben, das Angebot erfordert trotzdem Attraktivität, ein junges Publikum muss erreicht werden.

Welcher Erwachsene denkt da nicht zuerst an Geschichten, an Märchen, an Märchenopern, an die „Zauberflöte“, an „Hänsel und Gretel“.

Favoriten aus beiden Werken ergaben am Samstag vor rund 300 Besuchern in der Stiftsruine einen echten Märchenopern-Mix. Den bestückten aus der „Zauberflöte“ die Ouvertüre, die beiden Lieder Papagenos, seine Duette mit Pamina und Papagena, Taminos Bildnis-Arie und das Lied des Monostatos von „der Liebe Freuden“; aus „Hänsel und Gretel“ das Vorspiel, das Lied des kleinen Sandmanns und der „Abendsegen“ der beiden Titelfiguren.

Nicht etablierte Opernsänger standen auf dem Podium, sondern – die aktuelle Neuerung – Studierende der Musikhochschule Frankfurt/M. Julie Grutzka (Sopran), Sarah Mehnert (Mezzosopran), Young-Seung Song (Tenor) und Harald Hein (Bariton) hatten die Chance, mit einem Berufsorchester aufzutreten, wie es sich für den künftigen Ernstfall gehört. Entdeckungen waren freilich nicht zu machen.

Eine Zwischenstation

Braucht eine Sängerlaufbahn doch eine sorgfältige Entwicklung, von der hier nur eine Zwischenstation zu registrieren war.

Alle vier, besonders Sopran und Bariton, brauchen noch eine weitere klangliche und sprachliche Entfaltung der Stimme, brauchen Projektionsvermögen, nämlich die Fähigkeit, die Aussage von Text und Musik rein akustisch abzubilden.

So verschwand der Gesang fast hinter der Orchesterbegleitung. Die Sinfonia Silesia wusste unter Heinrichs kundiger Leitung nicht nur die beiden Ouvertüren projektionsstark zu musizieren, sondern als Zugabe auch den Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns „Sommernachtstraum“-Musik.

Insgesamt ein Versuch, vielleicht ein ausbaufähiger.

Von Siegfried Weyh

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