250 Dinge, die wir an der Region mögen, Teil 10: Der Storchenbrunnen

Versteckte Höhle im Wald

Gut versteckt im Wald hinter Laubhaufen: Der Storchenbrunnen bei Philippsthal. Eine Gittertür mit Storchenfigur verschließt den Eingang zur Felshöhle, aus der das Wasser plätschert. Fotos: Eisenberg

Philippsthal. Bei der Frage, woher eigentlich die Kinder kommen, war man in Philippsthal schon vor den Zeiten des Aufklärungsunterrichts nicht um eine Antwort verlegen.

„Die holt der Klapperstorch aus dem Storchenbrunnen“, hörten in den vergangenen Jahrhunderten Generationen junger Philippsthaler von ihren Eltern.

Auch wenn man in der Werragemeinde mittlerweile andere Erklärungen für den Ursprung des Lebens hat, bleibt der Storchenbrunnen dennoch ein geheimnisvoller Ort. Die Felshöhle, aus der das ganze Jahr über Wasser fließt, liegt etwas versteckt im Wald im „Tiefenkeller“ bei Philippsthal. Der Weg zum Storchenbrunnen ist eigentlich nicht schwer zu finden. Von den letzten Häusern der Straße Tiefenkeller aus geht man in den Wald, folgt an der ersten Kreuzung dem kunstvoll geschnitzten Hinweisschild und läuft von dort auf dem Pfad auf der linken Seite des Baches weiter. Auf den letzten Metern wird das Vorankommen jedoch schwierig, weil auf dem ohnehin etwas sumpfigen Weg zusätzlich dicke Äste querliegen. Sind die Hindernisse überwunden, steht man auch schon auf dem mit Sandsteinquadern eingefassten Vorplatz, der von einer dicken Laubschicht überzogen ist.

Das Plätschern aus dem Inneren des Berges verführt unweigerlich dazu, durch die Gittertür ins Dunkel zu spähen und zu rätseln, wie weit der Hohlraum wohl in die Tiefe reicht. Durch ein gusseisernes Rohr fließt das Wasser aus dem Brunnen in den Tiefenkeller-Bach, der von älteren Ortsbewohnern als „die Baach“ (mit weiblichem Artikel) bezeichnet wird. Fast jeder, der in Philippsthal aufgewachsen ist, hat an dieser Stelle als Kind kleine Stöcke als Schiffe auf die Reise geschickt oder versucht, aus Steinen und Tannenzapfen einen Staudamm zu bauen.

Dass der Storchenbrunnen als Wanderziel ein wenig in Vergessenheit geraten ist, liegt auch daran, dass der Pfad dorthin seit der Umgestaltung des Waldwegenetzes vor einigen Jahrzehnten in einer Sackgasse mündet.

Geht man vom Storchenbrunnen aus weiter bergauf Richtung Vittewies und Pflanzgarten, steht man nach wenigen Metern unterhalb einer steilen Böschung. Die sollte man, wenn überhaupt, nur mit absolut geländetauglichem Schuhwerk erklimmen.

Moderne Schatzsuche

Eine Renaissance erlebt der Storchenbrunnen durch das Geocaching, die moderne Schatzsuche mit dem Navigationsgerät. In Internetportalen werden die Koordinaten des Storchenbrunnens genannt. Glaubt man den Einträgen, soll dort auch ein Cache, also ein Behälter mit Logbuch und verschiedenen Tauschgegenständen, versteckt sein.

Kommentare