Bis zu acht Kilogramm Fisch am Tag fressen die Säugetiere

Seelöwen im Zirkus Krone: Verspielte Fernsehstars

Fisch zur Belohnung: Trainer Roland Duss weiß genau, wie er seine tierischen Stars animiert. Wenn diese keine Lust aufs Spiele haben, könne man sie aber auch nicht zwingen. Dann muss beim Showprogramm kurzerhand improvisiert werden. Fotos: Maaz

Bad Hersfeld. Auch für Fremde gibt es zur Begrüßung erstmal die Flosse, nasse Küsse werden generös verteilt: Chico, Tino, Joe und Charly gehören zu den tierischen Stars beim Zirkus Krone.

Die kalifornischen Ohrenrobben von Trainer Roland Duss ziehen aber auch abseits der Manege alle Blicke auf sich.

Nicht nur Kinder bekommen große Augen, wenn sie in ihrem 100 000-Liter-Becken umhertollen, mit Ringen und Bällen spielen oder Besucher durchs Wasser ziehen. „Seelöwen sind sehr intelligente und empfindsame Tiere, mit denen Interaktion möglich ist“, sagt Dr. Susanne Matzenau, Pressesprecherin beim Zirkus Krone. „Jedes Tier hat einen anderen Charakter.“

Seit 2001 sind die Tiere bei Roland Duss und seiner Frau Petra. Alle sind in Spanien, im Meerestierpark von Roland Duss’ Bruder, geboren. Tino hat der 58-Jährige sogar mit der Flasche aufgezogen. Von April bis November sind die Duss’ mit dem Zirkus Krone unterwegs. Von Dezember bis März wird das Winterquartier bezogen oder die Truppe tritt in anderen Shows auf. Roland Duss ist seit über 30 Jahren Tiertrainer. Auch mit Delfinen hat der Schweizer gearbeitet – bis er sich in die Seelöwen verliebte.

Ob Bälle balancieren oder auf der Flosse stehen: Der Spieltrieb der Tiere und Fisch zur Belohnungen machen es möglich. „Wir versuchen das Training möglichst abwechslungsreich zu gestalten“, berichtet Duss. Manche Tricks entstehen durch Zufall.

Auf geht´s: Praktikantin Leonie Wedekind lässt sich von einem der Seelöwen durchs Wasser ziehen.

„Man kann sie zu nichts zwingen“, erklärt der Trainer. „Wenn sie keine Lust aufs Spielen haben, egal aus welchen Gründen, wird es schwierig.“ So könne es auch schon mal vorkommen, dass vor einer Show spontan improvisiert werden muss. „Dann stehe ich mit zwei statt vier Tieren vor dem Publikum“, verrät Duss lachend. „Ich bin nicht der Boss, sondern die Futterquelle.“

Die Tiere sind übrigens nicht nur Show-, sondern auch Fernsehstars. Alle vier „standen“ bereits für die ZDF-Serie „Hallo Robbie“ vor der Kamera. Für therapeutische Zwecke werden die Säugetiere ebenfalls eingesetzt.

Wer die Bullen beobachtet, kann sich kaum vorstellen, dass die quirligen Tiere irgendwann auch mal ruhen. „Sie haben sich den menschlichen Ruhezeiten angepasst“, schmunzelt Susanne Matzenau.

Nach der letzten Abendvorstellung dauere es nicht mehr lange, bis sie schlafen. Das erste Frühstück gibt es zwischen 6 und 8 Uhr.

Sechs bis acht Kilogramm Fisch fressen die Seelöwen pro Tag, am liebsten Hering. Tino ist mit seinen gut zwei Metern und knapp 250 Kilogramm der schwerste in Duss’ Truppe. Bis zu 20 Kilogramm legen die Tiere im kalten Winter zu.

Auf die Vorwürfe von Zoo- und Zirkuskritikern reagiert Duss gelassen: „Tiere sind so flexibel wie Menschen und sehr anpassungsfähig.“ Auch bei ihm könnten die Seelöwen ihre Grundbedürfnisse – zum Beispiel das Torben im Wasser – ausleben. „Kritik kommt oft von Leuten, die noch nie gesehen haben, wie wir mit den Tieren zusammen leben“, ergänzt Matzenau.

Zirkus Krone: Schwimmen mit Seelöwen

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