Unterbringung, Behandlungsqualität und Finanzierung: Kliniken tun, was sie können

Versorgung vor Komfort

1955 bis 2008: Im Klinikum Bad Hersfeld werden aus Dreibettzimmern (rechts unten) Räume, die zu einem Hotel gehören könnten (großes Foto). Fotos: Pistor

Hersfeld-Rotenburg. Nie wieder Stunden im Wartezimmer des Facharztes verbringen, eine schnelle Terminvergabe und im Krankenhaus am besten gleich ins Zweibettzimmer – so sieht der Gesundheitsexperte der CDU, Jens Spahn, die Zukunft der Kassenpatienten. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg stehen Ärzte und Krankenhäuser diesen Vorstellungen weitgehend skeptisch gegenüber.

Pläne seit 1976

Im Kreiskrankenhaus Rotenburg hieß es, dass schon vor der Spahn-Diskussion Geld zur Sanierung des Bettenhauses beantragt wurde, und auch das Klinikum in Bad Hersfeld ist bereits seit langem eifrig mit Baumaßnahmen beschäftigt, die die Unterbringung der Patienten angenehm gestalten soll. „Pläne dazu gibt es schon seit 1976“, verrät Heino Stange von der Verwaltung des Klinikums.

Das Hauptgebäude der Hersfelder Klinik steht seit 1960, damals gehörten Dreibettzimmer und Gemeinschaftsbäder auf den Fluren zur normalen Ausstattung. Diese Gebäude befinden sich auch heute noch weitgehend im Urzustand. „Das liegt daran, dass unser Vorhaben, diese Gebäudeteile komplett zu sanieren, durch einen großen Zulauf von Patienten nicht umgesetzt werden konnte“, erklärt Jens Buhlmann vom Architekturbüro Kirschner.

Im Jahr 1993 wurde als erster Schritt das Bettenhaus Nord mit Zweibettzimmer-Standard errichtet, um Patienten dort während der Modernisierung des Altbaus unterzubringen. Die Auslastung der Klinik erhöhte sich im Laufe der Jahre jedoch auf 93 Prozent, und 2008 wurde als nächster Schritt das Bettenhaus Süd in Betrieb genommen, das ebenfalls über Ein- und Zweibettzimmer verfügt.

Eine Frage der Kapazität

Denn nicht nur das Geld, auch die Kapazitäten müssen vorhanden sein, „da bei laufendem Betrieb gebaut wird und man die Patienten auch in der Zwischenzeit angemessen unterbringen will“, sagt Buhlmann weiter.

Spahn müsse sich mehr Gedanken darüber machen, wie die Krankenhäuser Finanzierungslücken schließen sollen, findet Stange. Auch über energiesparende Sanierung müsse man sich Gedanken machen, damit die Stromkosten nicht steigen.

Notfälle gehen immer vor

Stange nennt Spahns Idee gut, doch mangele es ihr an Realismus, denn ein Vorschlag zur Finanzierung fehle. Außerdem gingen in Sachen Wartezeiten die Notfälle immer vor, egal, ob man nun gesetzlich oder privat versichert sei.

„Und wenn es die Belegungssituation verlangt, dann werden aus Dreibettzimmern im Notfall eben Vierbettzimmer – die Versorgung der Patienten hat Vorrang vor Komfort!“, sagt Heino Stange mit Bestimmtheit.

Von Christina Pistor

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