Haydn und Mozart zum „familiären“ Festspiel-Konzertauftakt 2012 in der Stiftsruine

Versöhnliche Botschaften

Den Auftakt der 52. Bad Hersfelder Festspielkonzerte bildete am Samstagnachmittag das Familienkonzert in der Stiftsruine mit Haydns Sinfonie Nr. 94 G-Dur „Mit dem Paukenschlag“ und Mozarts „Bastien und Bastienne“ (Foto) KV 50. Fotos: Wilfried Apel

Bad Hersfeld. Als die Welt der Liebenden noch in Ordnung war: Schäfer liebt Schäferin, die hält ihn für untreu und bittet den Dorfwahrsager Colas um Rat. Bastienne solle sich spröde stellen, um Bastiens Eifersucht zu erregen, empfiehlt Colas.

Gesagt, getan – und als B + B sich versöhnt wieder umschlungen halten, scheint es gar, als sei es bis zu P + P, zu Papagenos und Papagenas Liebesduett am Ende der „Zauberflöte“ KV 620, nicht mehr weit. Doch wir sind mit Mozarts kleinem Singspiel „Bastien und Bastienne“, das am Samstag die Zierde im ersten Festspielkonzert 2012 bildete, erst bei der Köchelverzeichnis-Nummer 50.

So natürlich wie möglich

B + B plus Herz drumherum findet sich auf eine Brettertür im Bühnenhintergrund gezeichnet. Das deutet zusammen mit Korbmöbeln und einem Spielzeugschaf auf eine gespielte Handlung. Regisseur Hugo Wieg, auch der „Rigoletto“-Inszenator, führt die drei Opernsänger in spe so natürlich wie möglich und im Schäferspiel nötig durch diese frühe Theaterprobe eines zwölfjährigen Komponistengenies in spe.

Jung, wenig über 20, auch das Thüringer Sängerkleeblatt. Sara Mengs hatte einige kecke Auftritte parat, die zeigten, dass in Bastienne schon Töne und Klanggesten von Blonde („Die Entführung aus dem Serail“), Susanna („Die Hochzeit des Figaro“) und Zerlina (Don Giovanni“; im August die Partie der Sängerin auf derselben Bühne) keimen. Mit patenter Bühnenwendigkeit begabt, doch stimmlich natürlich noch entwicklungsfähig Friedrich Hübenthal (Bastien) und Peter Fabig (Colas).

Hatte Professor Siegfried Heinrich am Dirigentenpult der Sinfonia Silesia Katowice (Polen) in erster Linie Sorge zu tragen für die Koordination von Orchester und Bühne, so wollte zuvor das reife Werk eines Sechzigjährigen musikalisch mitgeteilt werden.

Kompakt und direkt

Joseph Haydns populärste Sinfonie, die Nummer 94 G-Dur „mit dem Paukenschlag“, geriet zum eher vereinheitlichenden als differenzierenden Modell der klassischen Viersatzform. Kompaktheit und Direktheit galten Heinrich und den Kattowitzern mehr als Inspiration und Klangdelikatesse. Schade auch, dass sich kaum eine Annäherung an die straffen, geschliffenen, pointierten Darstellungsmittel der historischen Aufführungspraxis erreichen ließ.

Den etwa 350 Besuchern dieses „Familienkonzerts“ hat’s summa summarum gefallen, zum Applaus gab’s Blumen und eine Favorit-Zugabe Heinrichs, „Bugler’s Holiday“ von Leroy Anderson (1908-75).

Von Siegfried Weyh

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