Multimedialer Abend zum Thema Hiob in der Stadtkirche Bad Hersfeld

Versinnbildlichte Qualen

Hiob: Ein multimedialer Abend für Sprecher und Orgel mit Christian Schmidt in der evangelischen Stadtkirche Bad Hersfeld. Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. „Wie kann es sein, dass ein guter Mensch so viel Leid ertragen muss?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt des Buches Hiob, einem sprachgewaltigen Epos aus dem Alten Testament. Der tschechische Komponist Petr Eben hat daraus ein hochdramatisches Werk für Orgel und Sprecher geschaffen, dessen Aufführung am Sonntagabend in der Bad Hersfelder Stadtkirche tiefbeeindruckte Zuschauer hinterließ.

Der Inhalt ist hinlänglich bekannt. Als der Satan den Glauben Hiobs, eines gottesfürchtigen, rechtschaffenden Mannes in Frage stellt und behauptet, dass Hiob nur fromm sei, weil er reich ist und es ihm gut geht, erlaubt ihm Gott, Hiobs Besitz zu zerstören, seine Kinder zu töten und ihn mit Krankheit zu schlagen.

Keinerlei Zweifel an Gott

Trotzdem zweifelt Hiob nicht an Gott, stellt aber die Frage nach dem Warum und verlangt Gerechtigkeit. Als Gott ihm in einem Sturm erscheint und seine Allmacht vor Augen führt, unterwirft ihm sich Hiob voller Demut. Daraufhin beendet Gott Hiobs Prüfung, segnet ihn und gibt ihm alles, was er verloren hat, in doppeltem Maß zurück.

Ulrich Pakusch schuf mit seinem kraftvollen, perfekten Orgelspiel einen großartigen Rahmen für die Textpassagen aus der „Lutherbibel“, die Hersfeldpreisträger Christian Schmidt mit ungeheurer Dramatik zwischen den insgesamt acht Orgelsätzen vortrug.

Stimmgewaltig, mit ausdrucksstarker Körpersprache und Mimik machte er die tiefe Verzweiflung und Verlorenheit Hiobs förmlich greifbar. Über eine große Leinwand liefen Videosequenzen von Originalaufnahmen der Erstbesteigung des Nanga Parbats 1953 durch Hermann Buhl. Verwaschen wirkende Aufnahmen von Bergsteigern, die mit steigeisenbewehrten Stiefeln auf Stöcke gestützt quälend langsam steile Eisrinnen emporsteigen, versinnbildlichten die Qualen Hiobs.

Ungewöhnliche Perspektive

Die Zuschauer erlebten an diesem Abend die Bad Hersfelder Stadtkirche aus einer ungewohnten Perspektive. Die Stühle waren hinter dem Altar im Chorraum aufgestellt, sodass sich ein Blick auf die in mystisches Licht getauchte Orgel im ansonsten völlig dunkeln Kirchenschiff ergab. Am Ende gab es neben reichlich Beifall auch viele persönliche Dankesworte an die Künstler.

Von Thomas Landsiedel

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