Geschäftsführung widerspricht Gewerkschaft

Verschiedene Lesart im Libri-Tarifstreit

Libri-Manager im Tarifstreit: Michael Dettmann (links) und Jörg Paul. Foto: Kai A. Struthoff

Bad Hersfeld. Im Tarifstreit beim Buchgroßhändler Libri hat die Geschäftsleitung jetzt der Darstellung der Gewerkschaft Ver.di widersprochen. Die Libri-Mitarbeiter hatten am vergangenen Sonnabend in der Bad Hersfelder Innenstadt für ihre Interessen demonstriert (HZ berichtete), weil sie nach eigener Aussage nicht länger „für einen Apfel und ein Ei“ arbeiten wollen. Kritisiert wurde, dass es seit 2005 keine Lohnerhöhungen gegeben habe. Außerdem hieß es, die Geschäftsleitung wolle das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen.

„Das wurde von uns nie gesagt“, widerspricht Libri-Logistikleiter Jörg Paul. „Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurden nie in Frage gestellt.“ Auch die Behauptung, die Mitarbeiter müssten seit 2005 Lohnverzicht üben, sei falsch. Libri habe von 2008 bis 2010 Einmalzahlungen geleistet, weil es keine Tarifeinigung gegeben habe. Sie hätten sich laut Paul zwischen 400 und 750 Euro pro Jahr bewegt. Erneut verwies der Libri-Manager auf die Bereitschaft, zu einer Tarifeinigung. „Wir suchen nach einer zukunftsorientierten Lösung für Belegschaft und Unternehmen, die dem Markt Rechnung trägt“, erklärt Paul.

„Wir halten Lohnerhöhungen für nötig und richtig“, macht auch Michael Dettmann, der kaufmännische Leiter, deutlich. Gleichwohl stehe Libri im Wettbewerb. Für ähnliche Arbeit werde etwa in Thüringen weniger gezahlt. Die Vergleichbarkeit müsse gewahrt sein. Die Arbeit bei Libri sei keine typische Großhandelstätigkeit, deshalb strebe man – anders als die Gewerkschaftern – den Logistiktarifvertrag an, so Dettmann.

Ver.di hält an Kritik fest

„Der Logistiktarif passt aber noch weniger zu Libri als der des Groß- und Außenhandels“, kritisiert unterdessen erneut Mechthild Middeke von Ver.di. Zudem kämen dessen Vorgaben faktisch einer Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld gleich, weil diese Leistungen durch Jubiläumszahlungen ersetzt würden. Auch die von Libri geleisteten Einmalzahlungen lässt die Gewerkschafterin nicht gelten. „Das ist kein Einkommen, mit dem man rechnen kann“, stellt sie klar.

Die nächste Verhandlungsrunde sei für den 5. Mai geplant. Noch ist laut Middeke alles offen. (kai)

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