Lebenshilfe Bad Hersfeld feiert 50-jähriges Bestehen – Vielfältig unterstützend aktiv

Verschieden ist normal

Das Lebenshilfe-Haus in Bad Hersfeld: Auf über 400 Quadratmetern Fläche gibt es dort zahlreiche Angebote für Menschen mit Behinderungen.

Bad Hersfeld. Ein Tag wie jeder andere. Im ein bisschen versteckt liegenden Garten des Lebenshilfe-Hauses in der Kleinen Industriestraße 2a spielen die Kinder und Jugendlichen der Nachmittagsbetreuung Fußball. Jasmin hat es sich in der Vogelnest-Schaukel bequem gemacht.

Ein Kleinbus hat sie – wie die meisten anderen auch – von der August-Wilhelm-Mende-Schule in Bebra nach Bad Hersfeld gebracht. Im Hausaufgabenraum hat sie ihr Pensum erledigt. Jetzt entspannt sie sich. Alltag beim Familienunterstützenden Dienst (FUD) der Lebenshilfe Bad Hersfeld, der sich um Menschen mit Behinderungen kümmert. Seit 50 Jahren. Sonja Ley, die zweite Vorsitzende und zusammen mit dem ersten Vorsitzenden Friedhelm Weitzel ehrenamtliche Geschäftsführerin des Vereins, ist fast jeden Nachmittag da.

Vom Rechnungswesen abgesehen ist sie im Vorstand für fast alles zuständig. Sie engagiert sich seit 14 Jahren und sie überblickt die Entwicklung der letzten 50 Jahre: „Ähnlich wie in der Schule, wo das Thema Inklusion in den Vordergrund gerückt ist, ist es bei uns heute so, dass die Menschen, die zu uns kommen, von der Gesellschaft nicht länger als am Rande stehende Behinderte, sondern als Menschen wie du und ich angesehen werden – als Menschen, die am Leben aller teilhaben und insoweit gefördert werden sollen.“

Vor 50 Jahren war das noch anders. In der Region gab es kaum Fördermöglichkeiten. Nur dem Engagement betroffener Mütter und Väter sei es zu verdanken gewesen, dass sechs Jahre nach Gründung der Bundesvereinigung „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“ auch eine Ortsvereinigung gegründet worden sei, hebt Sonja Ley hervor: „Hartnäckig haben sie dafür gekämpft, dass sie selbst entlastet und ihre behinderten Angehörigen gefördert wurden.“

Aufklärung und Förderung

Bei der vom Rektor der Bad Hersfelder „Hilfsschule“, Ernst Meister, initiierten Gründungsversammlung – sie fand am 29. November 1964 in der Aula der Luisenschule statt – waren 35 Personen anwesend. Als Vereinsziele wurden „Intensive Aufklärung und Förderung (Sonderkindergarten, Sonderschule für praktisch Bildbare, Beschützende Werkstatt)“ festgelegt.

Schon zwei Jahre später konnte in Trägerschaft des Vereins im „Falkenheim“ eine „Heilpädagogische Tagesstätte“ für etwa zehn Mädchen und Jungen aus dem Kreisgebiet eingerichtet werden, die als Übergangslösung für ein auf dem Frauenberg zu errichtendes Heilpädagogisches Zentrum dienen sollte.

Dazu kam es allerdings nicht, so dass der immer größer werdende „Sonderkindergarten“ 1971 in das Haus Nachtigallenstraße der evangelischen Kirchengemeinde, in der diese einen Kindergarten betrieb, verlegt werden musste. Gemeinsames Spielen und Feiern führten schon damals zu einer Art Integration.

Von Wilfried Apel

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