Familienrichter entscheiden über Sorgerecht, Unterhalt und sonstige Streitigkeiten

Vermittler in Robe

Buntes Spielzimmer statt sterilem Sitzungssaal: In Verfahren, in denen es etwa um Sorgerechts- oder Umgangsverfahren geht, hören die Familienrichter Dr. Rolf Schwarz und Heidrun Mondl auch die Kinder an. Dafür gibt es im Amtsgericht Bad Hersfeld ein extra Spielzimmer. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Wenn Eltern sich trennen, gibt es häufig Streit um den Nachwuchs. Wer darf den Sohn oder die Tochter wann sehen? Aber auch um das liebe Geld wird von ehemaligen Partnern nicht selten gestritten. Hinzu kommen Gewalttätigkeiten oder Bedrohungen. Solche und ähnliche Fälle landen dann beim Familiengericht. Sogenannte Familiensachen nehmen im Amtsgericht Bad Hersfeld viel Raum ein.

Etwa 1100 Verfahren gab es im vergangenen Jahr, davon waren 280 Ehescheidungsanträge, 63 Gewaltschutzverfahren, 270 Sorgerechtsverfahren, 56 Umgangsverfahren und 216 solche, in denen es um den Unterhalt von Kindern oder Ehepartnern ging. Weiterhin beschäftigen die Richter Zugewinnausgleichverfahren, Gesamtschuldnerausgleiche und Wohnungszuweisungen zwischen Ehegatten, Adoptionen und Abstammungsverfahren sowie Genehmigungen von Rechtsgeschäften.

Vier Richter beziehungsweise Richterinnen, drei Rechtspflegerinnen und vier Geschäftsstellenmitarbeiterinnen sind beim Hersfelder Amtsgericht mit den Familiensachen befasst. Örtlich zuständig ist das Gericht für alle Städte und Gemeinden im Kreisgebiet. Die familiengerichtliche Zuständigkeit liegt seit 1977 bei den Amtsgerichten. „Man ist sehr viel mehr Mediator als in anderen Bereichen“, erklärt Heidrun Mondl, die seit 1999 als Familienrichterin tätig ist. Eine spezielle Ausbildung für Familienrichter gibt es nicht, aber die Möglichkeit, sich fortzubilden. „Man muss sich einfach auf die Sache einlassen und darf anderen nicht die eigenen Maßstäbe oder Erziehungsvorstellungen überstülpen“, so Mondl. Auch dürfe man die vielen Probleme innerhalb von Familien nicht zu nah an sich ran lassen.

Im Familienrecht sei vieles Auslegungssache, sagt Richter Dr. Rolf Schwarz. Das Gesetz biete „nur“ Grundsätze. Über allem steht das Kindeswohl, wenn Nachwuchs involviert ist. „Wir müssen uns immer fragen, was in der jeweiligen Situation das Beste für das Kind ist.“ Selbst ganz junge Kinder werden angehört, wenn dies möglich ist. Dafür gibt es ein extra Spielzimmer, das Ender der 90er-Jahre eingerichtet wurde. Ab 14 Jahren sind Kinder automatisch am Verfahren beteiligt.

Sorgerechts- und Umgangsverfahren haben eine besondere Priorität, sie sollen laut Gesetz „vorrangig und beschleunigt“ behandelt werden, in der Regel innerhalb von vier Wochen.

Seit einem Modellversuch 2010 besteht auch die Möglichkeit der Videoschaltung. So müssen Beteiligte, die weit entfernt wohnen, nicht extra nach Bad Hersfeld kommen. Praktisch sei dies zudem, wenn jemand im Gefängnis sitze. Etwa 30 Mal pro Jahr werde die Video-Technik genutzt, erklärt Schwarz. „Dabei sind solche Schaltungen für Familiengerichte eigentlich eher unüblich“, so Schwarz.

Neben den „typischen“ Familiensachen sind die Richter seit einer großen Reform des Familienrechts 2009 übrigens auch für Bedrohungen unter Nachbarn, Stalking oder Mobbing zuständig. WEITERE ARTIKEL

Von Nadine Maaz

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