Vermiedenes Missgeschick und verschenkte Mehrheit

Karl Schönholtz

Die Stadt Bad Hersfeld ist nur knapp einem diplomatischen Missgeschick entgangen: Der Besuch von acht (!) Botschaftern, die Europa-Staatsminister Michael Roth zu den Festspielen eingeladen hatte, war im Rathaus erst kurz vor knapp bekannt geworden, als das Auswärtige Amt den Termin noch einmal bestätigt hatte. Die ursprüngliche Einladung zum Empfang war möglicherweise wegen des Poststreiks verschütt gegangen. Weil zeitgleich am Donnerstag die Stadtverordnetenversammlung tagte, musste Erster Stadtrat Dr. Rolf Göbel bei den Diplomaten Flagge zeigen.

Währenddessen haben die Hersfelder Parlamentarier im Bürgerhaus Hohe Luft fast vier Stunden lang diskutiert und trotz des großen Zeitaufwandes nur wenig Greifbares zustande gebracht – zumal sich einiges durch vorauseilende Aktivität der Verwaltung bereits erledigt hatte.

Auffällig ist aber eines: Die Abgesänge auf die frühere Mehrheitsfraktion von SPD, Grünen und FWG, die nach dem Ausstieg der Freien Wähler über keine Mehrheit mehr verfügte, waren etwas voreilig. Weil CDU, NBL, FDP und Fraktionsgemeinschaft nur selten in voller Stärke antreten, ist das Kräfteverhältnis meist wie gehabt. Auch am Donnerstag zählte Rot/Grün wieder ein paar mehr Köpfe als die Gegenseite und konnte die Marschrichtung bestimmen.

Das Thema Hessentag entwickelte gestern eine ungeahnte Eigendynamik. Denn im Radio wurde gemeldet, die Bad Hersfelder Stadtverordneten hätten einstimmig beschlossen, sich um die Ausrichtung der Großveranstaltung zu bewerben. Haben sie aber nicht. Beschlossen wurde lediglich, sich nach der Sommerpause in den Ausschüssen mit dem Thema zu beschäftigen, um dann – vermutlich in der Oktobersitzung – eine Entscheidung zu treffen. Und da die Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament derzeit so zuverlässig sind wie die Wettervorhersage, bedarf es prophetischer Gaben, um den Ausgang der Abstimmung vorherzusagen. Also: Hessentag in Hersfeld? Vielleicht!

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