Gerichtsverfahren um tödlichen Zusammenstoß in Friedewald – Schlosser verurteilt

Ein vermeidbarer Unfall

Bad Hersfeld. War der tödliche Verkehrsunfall, bei dem am 30. September vergangenen Jahres eine 70 Jahre alte Dame aus Friedewald ihr Leben verlor, für den Unglücksfahrer vermeidbar – oder nicht? Die Antwort gab der Strafrichter am Bad Hersfelder Amtsgericht: Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte er einen 42 Jahre alten Maschinenschlosser aus Friedewald zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 35 Euro.

Der Angeklagte war am Tattag gegen 15.26 Uhr in seinem Wohnort mit seinem Pkw unterwegs. Beim Abbiegen von der Hersfelder Straße in den Hohlen Weg erfasste er die die Fahrbahn überquerende Fußgängerin. Die 70-Jährige knallte mit dem Kopf auf eine Kante der Motorhaube. Zwei Tage später erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Zeit hätte ausgereicht

Vor Richter Elmar Schnelle wurden während der Beweisaufnahme alle denkbaren Szenarien und Berechnungen angestellt, um die Frage nach der Vermeidbarkeit zu beantworten. Ob die Frau schon dabei war, von rechts nach links über die Straße zu gehen, als das Auto kam, oder ob sie zunächst bergan ging und plötzlich auf die Fahrbahn trat, spielte am Ende jedoch keine Rolle: Die Zeit, die der Angeklagte hatte, die Fußgängerin wahrzunehmen und entsprechend zu reagieren – notfalls mit einer Vollbremsung –, hätte ausgereicht.

Falsche Entscheidung

Richter Schnelle hielt dem Schlosser vor, in diesem Moment eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Denn der Autofahrer hatte beim Abbiegen wohl mit Absicht die Kurve geschnitten, um nicht zu dicht an der alten Frau vorbeizufahren. „Sie hätten eine Gefährdung der Fußgängerin ausschließen müssen,“ benannte der Richter das Fehlverhalten, denn Kinder und alte Menschen genießen im Straßenverkehr besonderen Schutz.

Der Angeklagte betonte in seinem Schlusswort, dass es ihm „von Herzen leid“ tue.

Das Urteil lag deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung plus 1800 Euro Buße gefordert hatte. Die Ansicht des Verteidigers, Rechtsanwalt Gerold Semsch, dass der Unfall nur für einen „idealen Fahrer“ vermeidbar gewesen und der Schlosser deshalb freizusprechen sei, teilte Richter Schnelle jedoch ebenfalls nicht.

Im Saal hatten einige Zuschauer zunächst versucht, durch Gesten, Gelächter und Stöhnen Stimmung gegen den Angeklagten zu machen. Das unterband das Gericht durch eine unmissverständliche Ansage.

Von Karl Schönholtz

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