Drei Kriegstagebücher des Ersten Weltkrieges schildern die Schicksale von Hersfelder Soldaten

Verloren und zufällig gefunden

Geschichte zum Anfassen: Gerhard Kraft (65) vor einem der drei Kriegstagebücher im Stadtarchiv Bad Hersfeld. Oft sind diese Bücher mit mehreren Handschriften geschrieben, das Übersetzen ist dementsprechend aufwendig. Foto: Heissler

Bad Hersfeld. Die Geschichte der Stadt Bad Hersfeld geht zurück bis in das achte Jahrhundert, die älteste erhaltene Urkunde ist aus dem Jahr 1307. Doch ein Kapitel der Stadtgeschichte ist bis heute kaum oder wenig erforscht – die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Licht ins Dunkel bringt nun Gerhard Kraft. Der 65-jährige ehemalige IT-Experte, der ehrenamtlich im Stadtarchiv arbeitet, stieß 2005 per Zufall auf drei Kriegstagebücher. Die einzigen bisher bekannten. Diese lagen damals noch im Keller der Stadthalle und wurden erst bei den Recherchen zu einem Buch über Lingg von Linggenfeld – den Retter von Bad Hersfeld – an dem Elisabeth Schwarz und Kraft arbeiteten, gefunden. „Der Fund sah interessant aus, aber außer ihn in das Archiv zu bringen, hatten wir erstmal kaum etwas damit vor“, erzählt Kraft.

Erfahrung und Technik

Erst zum 100. Jahrestag des Kriegesausbruches fanden die Tagebücher wieder Beachtung. „Ich fing Mitte Juli mit dem Übersetzen an, was nicht ganz einfach war, da die Tagebücher mit etwa drei bis vier verschiedenen Handschriften geschrieben sind“, erklärt Kraft.

Viele dieser Handschriften sind nur schwer lesbar oder verblassen bereits. Um Zeit zu sparen, benutzt Kraft eine Sprachsoftware die Gesprochenes sofort als Text in den Computer überträgt. Doch selbst die Software stößt an ihre Grenzen, wenn es um militärische Fachbegriffe und französische Ortsnamen geht. „Diese alte Schrift zu lesen, ist Übungssache. Bei manchen Wörtern hilft allerdings nur die Lupe weiter“, sagt Kraft.

Blick in die Vergangenheit

Sämtliche Einträge wurden von Soldaten geschrieben, die in Bad Hersfeld stationiert waren und auch von hier in den Kriegseinsatz abmarschierten. Die Aufzeichnungen beginnen im August 1914, der letzte Eintrag ist vom 3. Januar 1916.

Zu den Tagesberichten gibt es noch Nachträge, die von einzelnen Soldaten verfasst sind und ihr persönliches Erleben des Krieges schildern. Zusätzlich liegen den Tagebüchern noch Fotos, Feldpostkarten und Briefe bei.

Was aus den einzelnen Soldaten geworden ist, lässt sich heute kaum noch aufklären – auch weil die Quellenlage zum Ersten Weltkrieg im Stadtarchiv dürftig ist.

Das alles hält Gerhard Kraft jedoch nicht davon ab, weiterzumachen. Sein Ziel ist es, einen Bericht zu erstellen, bei dem die Einträge jedes Tagebuchs verknüpft werden zu einem Gesamtbild, zusammen mit den Fotos und Briefen. „Wenn dieser Bericht dann archiviert im Stadtarchiv liegt und lesbar für jeden ist, bin ich zufrieden“, berichtet Kraft.

Von Artur Heissler

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