Lange Finger: Gericht verurteilte Dieb zu Geldstrafe; anderes Verfahren eingestellt

Verlockung war zu groß

Bad Hersfeld. Wer jeden Tag bei der Arbeit teure Waren vor der Nase hat, kann nicht immer widerstehen. Dies zeigten zwei Fälle, die jetzt im Bad Hersfelder Amtsgericht verhandelt wurden. Der Diebstahl einer wertvollen Uhr im Wert von etwa 1000 Euro wurde einem 32-jährigen Mann vorgeworfen, den Richter Elmar Schnelle zu einer Geldstrafe von insgesamt 800 Euro verurteilte.

Hochwertige Ware

Der in Russland geborene und seit 1992 in Deutschland lebende Angeklagte soll am 27. November 2009 als Kurierfahrer bei einer Logistikfirma in Neuenstein ein Päckchen mit einer Uhr der Marke „Sinn“ entwendet haben. Bei dem hochwertigen Modell UXGSG9 handelt es sich um eine Spezialuhr der Polizeieinheit aus U-Boot-Stahl.

Während des Verladens mehrerer Päckchen in einen Transporter, soll der 32-jährige die verpackte Uhr von einem für einen anderen Fahrer vorgesehenen Paketstapel genommen haben, ohne diese mit dem Scanner zu registrieren.

Nachdem der Angeklagte die Tat leugnete, wies ihn Richter Schnelle auf die strafmildernden Auswirkungen eines Geständnisses hin. Der Anwalt des 32-jährigen hatte seinem Mandanten zuvor ebenfalls zur Einsicht geraten.

Die Sachlage sprach gegen den ehemaligen Kurierfahrer, denn es gab eine Videoaufzeichnung mit dem Tathergang sowie belastende Zeugenaussagen. Dennoch war der Angeklagte weiterhin von seiner Unschuld überzeugt: „Ich lege ein Geständnis ab, für etwas, das ich nicht getan habe.“

Da er bereits wegen Betrugs vorbestraft war, nachdem er bei einer Internetfirma bestellte Waren nicht bezahlt hatte, und ein Freispruch laut Staatsanwalt Harry Wilke nicht in Betracht kam, lenkte der 32-jährige Mann schließlich doch ein.

Milde Strafe

Das Geständnis veranlasste das Gericht dazu, eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro zu verhängen. Das reguläre Strafmaß reicht in einem solchen Fall bis zu 70 Tagessätzen. Richter Elmar Schnelle schloss die Verhandlung mit den Worten: „Ich hoffe, dass Sie aus der Geschichte gelernt haben.“

Einen ähnlichen Fall verhandelte Richter Alexander Baumann. Der Angeklagte soll während seiner Arbeit als Kurierfahrer einen Fernseher im Wert von 800 Euro entwendet haben.

Fernseher aufgeladen

Da der Angeklagte sich jedoch in Kürze in Kassel vor Gericht wegen eines von ihm verursachten Schadens von 600 000 Euro verantworten muss, wurde das Hersfelder Verfahren eingestellt. Dieses wäre nicht weiter ins Gewicht gefallen. Die Zeugen sagten jedoch noch einvernehmlich aus, den Angeklagten bei dem Diebstahl des Fernsehers auf frischer Tat ertappt zu haben. „Außerdem fragte er mich, ob ich das Maul halten könne“, gab ein Kollege an, „und erzählte mir dann, er habe sich gerade einen Fernseher aufgeladen.“

Von Nina Skrzyszowski

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