Trendergebnis für die Kreisstadt: Unabhängige punkten mit Flüchtlingsthema

SPD verliert in Bad Hersfeld fast neun Prozent

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Enttäuschung: Karsten Vollmar (Zweiter von links) und weitere Kandidaten der SPD bekamen im Multifunktionsraum herbe Verluste für ihre Partei präsentiert. Vorne Hans-Georg Vierheller (FWG).

Bad Hersfeld. Betretene Gesichter bei der SPD, dagegen aufgeräumte Stimmung bei Hans-Jürgen Schülbe von der UBH: Das Trendergebnis für die Wahl zur Bad Hersfelder Stadtverordnetneversammlung hatte einen überraschend klaren Verlierer und einen noch überraschenderen Gewinner:

Fast neun Prozent weniger, nur noch zwölf Sitze – da redete SPD-Spitzenkandidat Karsten Vollmar nicht um den heißen Brei herum: „Wir sind enttäuscht und mit unseren Themen offensichtlich nicht so durchgedrungen.“ Die SPD sei immer noch stärkste Fraktion, aber das sei angesichts der Verluste „ein schwacher Trost“, sagte Vollmar, der nun auf eine „bürgerliche Mehrheit“ gespannt ist.

Mit den Themen zu punkten, das ist den Unabhängigen offenbar besser gelungen: Die Forderung nach Zuzugsbegrenzung für Flüchtlinge hat sich ausgezahlt, auch wenn Schülbe das gegenüber unserer Zeitung heftig verneinte. „Wir haben eine moderate Position eingenommen, das hat mit der AfD und Rechten nichts zu tun“, sagte er.

Michael Bock von der Neuen Bürgerliste NBL bezeichnete „diesen Teil des UBH-Wahlkampfes“ als „unanständig“. Denn die Stadtverordnetenversammlung sei für dieses Thema nicht zuständig.

Das eigene Abschneiden – der Trend sah die NBL nahezu unverändert bei 7,3 Prozent – sah Bock mit gemischten Gefühlen: „Wir haben viel gemacht und hatten uns mehr erhofft“. Allerdings habe die NBL auch vor fünf Jahren nach Auszählung der Einzelstimmen noch deutlich zugelegt.

Bürgermeister Thomas Fehling bezeichnete das Trendergebnis als „klare Antwort der Wähler auf Politik-Stile“. Die Strategie von SPD und Grünen, mit aller Kraft gegen den Bürgermeister zu arbeiten, sei „nicht goutiert“ worden.

Auch Fehling schrieb das überraschend gute Abschneiden der UBH dem Flüchtlingsthema zu. Zudem glaubt der Bürgermeister, dass die Auszählung der Einzelstimmen den kleinen Parteien erfahrungsgemäß noch Zugewinne bescheren wird.

Von Karl Schönholtz

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