Nachwuchs der Rettungsorganisationen übte gemeinsame Einsätze

Verletzte steht wieder auf

Ein erfahrener Helfer des Roten Kreuzes zeigt einem jüngeren Mitglied, wie man einen Kopfverband anlegt. Das Bein der Verletzten konnte der Nachwuchs-Sanitäter sogar schon alleine verbinden.

Bad Hersfeld. „Hier Leitstelle Hessen Hersfeld mit einer Alarmierung...“ schallt es aus den zahlreichen Lautsprechern. In der Waldhessenhalle am Bad Hersfelder Obersberg, wo sich 80 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Rettungsorganisationen zu einem Katastrophenschutz-Wochenende getroffen haben, schlüpfen die Teilnehmer in Einsatzmonturen und Sicherheitsschuhe, trotz der sommerlichen Temperaturen.

Der Einsatz verspricht schwierig zu werden: Ein angetrunkenes Liebespaar ist in eine Schlucht gestürzt und muss geborgen werden. Dass die beiden den Sturz überlebt haben, stellt sich erst am Unfallort heraus. Der Mann ist sogar ansprechbar, scheint jedoch unter Schock zu stehen.

Ohnmächtige Frau

Sofort kümmern sich Rettungssanitäter um die beiden Verletzten. Um die Frau steht es schlimmer als um ihren Partner: Sie ist ohnmächtig und hat eine schwere Kopfverletzung erlitten. Während die Sanitäter ihr Verbände anlegen, um die Blutung zu stillen, bereiten die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks die Bergung vor: Über ein Drahtseil soll die Verletzte aus der Schlucht herausgezogen werden.

Innerhalb weniger Minuten seilen sich die ersten Helfer die steile Wand hinab und befestigen das Drahtseil. Die Sanitäter haben die Frau mittlerweile auf eine Trage befördert und zum Drahtseil getragen, wo bereits ein Schleifkorb wartet, in dem sie nach oben gezogen werden soll.

Plötzlich beugt sich einer der Sanitäter über die Frau und tippt sie an der Schulter an: „Du kannst jetzt aufstehen!“ Das eben noch ohnmächtig gewesene Opfer erhebt sich und zupft sich die Blätter aus den Haaren: „Mann, das war ganz schön dreckig auf dem Boden!“

„Die ist ja gar nicht bewusstlos!“, entfährt es einem der Helfer. Stolz schaut sich der Sanitäter um: „Ich habe sie durch Handauflegen geheilt!“, sagt er und lacht.

Der ganze Einsatz ist im Vorhinein geplant und vorbereitet worden, bei beiden Opfern handelt es sich um professionelle Mimen und statt eines Menschen werden anschließend aus Sicherheitsgründen Sandsäcke die Schlucht hinaufgezogen.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren, die an dem Katastrophenschutz-Wochenende teilnehmen, haben eins gemeinsam: Sie helfen gerne anderen Menschen. Aus diesem Grund haben sich die Mitglieder der Jugendorganisationen von Technischem Hilfswerk, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und DLRG in der Waldhessenhalle getroffen.

Dort lernen sie nicht nur, wie man Brände löscht, einer Ölpest in der Fulda Einhalt gebietet oder Hochwasser stoppt, sondern auch, wie man Personen aus brennenden Gebäuden, eingestürzten Häusern oder eben aus einer Schlucht rettet.

Zusammenarbeit

„Es ist uns sehr wichtig, dass wir den Kindern angesichts einer immer komplexer werdenden Welt beibringen, mit den anderen Hilfsorganisationen effizient zusammenzuarbeiten“, erläutert Organisator Fabian Dahinten, der selbst erst 18 Jahre alt ist und dennoch eine einzigartige Ausbildungsverantstaltung auf die Beine gestellt hat.

Die Mühe lohnt sich: Denn alle Kinder zeigen sich begeistert von den Einsätzen. „Besonders nachts ist es richtig cool!“, meint Nils, 12, vom THW Bad Hersfeld.

Von Hannah Becker

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