Verkünder guter Botschaften und Zugzielanzeiger

Karl Schönholtz

Wenn die Politik gute Nachrichten zu verkünden hat, dann meint man in Wiesbaden oder Berlin auch gleich einen Startschuss zu hören: Der gilt den Abgeordneten von Land- oder Bundestag, die bestrebt sind, als Überbringer der frohen Botschaft an die lokalen Medien die Nase vorn zu haben. Das hatten wir neulich beim letztendlich sogar erhöhten Zuschuss für die Bad Hersfelder Festspiele, um den sich die Herren Roth und Heiderich eifrig bemüht hatten.

Und das fand jetzt wieder statt, als das Land knapp 1,4 Millionen Euro für den Bahnhof Bebra locker machte – diesmal allerdings mit einem Kuriosum: Um 11.13 Uhr ging bei uns die Email des grünen Wirtschafts- und Verkehrsministers Tarek Al-Wazir ein. Drei Stunden später folgte aus dem Bad Hersfelder CDU-Büro die Mitteilung der Abgeordneten Lena Arnoldt – bis auf einen Zusatz am Ende wortgleich mit der Nachricht aus dem Ministerium. Nur ihren Namen hatte Arnoldt anstelle des von Al-Wazirs eingesetzt...

Die Absurditäten der Politik sind auch bei der Oberaulaer SPD zu besichtigen: Einen Bürgermeisterkandidaten haben die Sozis dort nicht auftreiben können, weshalb ihr Vorsitzender Roland Hühn – als Ex-Landrat und Ex-Rathauschef von Heringen ja ein alter Fahrensmann der Kommunalpolitik – die Wähler auffordert, mit „Nein“ zu stimmen. So soll dem wieder kandidierenden Amtsinhaber Klaus Wagner die Unzufriedenheit der Sozialdemokraten mitgeteilt werden. Das ist meiner Ansicht nach ein etwas seltsames Demokratieverständnis. Denn wenn es eine immer noch nicht ganz kleine Partei wie die SPD nicht fertig bringt, einen der ihren zur Kandidatur zu bewegen, dann sollte sie sich eigentlich schämen und ganz stille sein. Aber eine Verweigerungshaltung zu postulieren – das kenne ich eigentlich nur von politisch fragwürdigen Organisationen.

Wenn am 13. Dezember der neue Fahrplan der Deutschen Bahn in Kraft tritt, dann halten im Bad Hersfelder Bahnhof – abgesehen von einzelnen „Exoten“ – im Fernverkehr ausschließlich ICE-Züge. Nicht schlecht, denn in den bisher teilweise eingesetzten ICs mit ihren rumpelnden Interregio-Wagen war Komfort ein Fremdwort. Zum Konfort würden jedoch auch Zugzielanzeiger mit Angaben zu Zeiten, Wagenreihung etc. auf den Bahnsteigen gehören – nur die gibt es in Bad Hersfeld nach wie vor nicht. Es bleibt bei der schlichten „Fahrgastinformation“ für Uhrzeit und Verspätungsmeldungen.

Dabei hätten wir der Bahn doch einen kostengünstigen Vorschlag zu machen: Da der Bahnhof Naumburg/Saale durch die Inbetriebnahme der Schnellbahnstrecke Weimar-Leipzig mit dem Fahrplanwechsel vom bisherigen Knotenpunkt mehrerer ICE-Linien zum weit weniger bedeutenden Haltepunkt herabgestuft wurde, könnte man dort vielleicht zwei dieser Info-Kästen entbehren ...

Kommentare