Sandra Mertin betreibt einen Kostümverleih in Bad Hersfeld und hat jetzt viel zu tun

Verkleiden ist ihr Leben

Horror-Schocker mit Warze und Vampirzähnen oder damenhaft mit rotem Hut: Sandra Mertin hat in ihrem Laden für fast jeden Geschmack das passende Outfit. Foto:  Backovic

Bad Hersfeld. Zwischen Kunstblutkapseln, Mönchskutten und Tüll-Hüten zupft Sandra Mertin an einer Perücke herum. Mit gekonntem Griff in die rosafarbene Mähne ordnet sie auf dem Kopf eines Mädchens das Kunsthaar zu einer Frisur. Jetzt in der Faschingszeit gehört das närrische Treiben fast rund um die Uhr zu Sandra Mertins Alltag, denn ihr gehört der Kostümverleih im Bad Hersfelder Akazienweg 12.

Hatte einfach Lust dazu

„Tja, andere sammeln Briefmarken, ich sammele eben Kostüme“, sagt die Blondine mit einem verschmitzten Lächeln. Vor zehn Jahren hat ihre Leidenschaft fürs Verkleiden begonnen - durch einen Zufall. „Meine Schwägerin erzählte mir damals, dass Edith Koch ihr Geschäft im Sanddornweg nicht weiterführen kann. Daraufhin habe ich mich entschlossen, den Laden zu übernehmen. Einfach, weil ich Lust dazu hatte“, erinnert sich die 41-jährige Mutter von zwei Kindern.

„Ein blankes Kostüm, das ist es nicht! Die Accessoires sind es, die es verfeinern.“

Sandra Mertin

600 Verkleidungen übernahm die Erzieherin aus Kochs Fundus. „Heute gehe ich auf Messen, um mich nach neuen Sachen umzusehen.“ Stolz fügt sie hinzu: „Die meisten Dirndl sind beispielsweise echt aus München.“

Vier Jahre ist es her, da hat sich Sandra, die hauptberuflich im Kindergarten arbeitet, einen Wunsch erfüllt. Sie zog mit dem Geschäft in das oberste Stockwerk ihres Eigenheims - weil es praktischer ist. „Wir haben das Haus sogar extra ausgewählt, damit der Laden hinein passt“, verrät sie.

Auf 80 Quadratmetern verteilt sich nun das Reich, in dem künstliche Wimpern und Clownsnasen regieren: Vorsichtig öffnet Sandra eine Lade ihres Tresens. Darin glitzern ausgefallene Brillenmodelle in den schillerndsten Farben. Während ein Mann Frauenkleider anprobiert, sucht sie nach der passenden Brille zum Dress. Sie blinzelt kurz und rechtfertigt ihre Liebe zum Detail: „Ein blankes Kostüm, das ist es nicht! Die Accessoires sind es, die es verfeinern“, sagt die Verkleidungsexpertin selbstbewusst. Die Karnevalssaison ist Sandras aktivste Arbeitsphase im Jahr. „Ich habe sogar Kunden, die aus Dortmund zu mir kommen“, erzählt sie. Da es aber auch sonst genügend Anlässe zum Verkleiden gibt, öffnet sie die dicke, braune Eingangstür immer zweimal pro Woche für Kunden. Einen Haken hat Sandras Hobby allerdings. Mit leicht getrübter Mine erzählt sie: „Ätzend finde ich das Waschen. Das mache ich alles selbst, sonst könnte ich die Preise nicht halten.“ Die Kunden verlangen nicht, dass ihre Maschine im Akkord schleudert, sondern sie selbst. „So kann ich den Leuten ins Gesicht gucken und versichern, dass alles sauber ist“, sagt sie. Trotzdem macht sie die Arbeit im Kostümverleih glücklich. Ihre braunen Augen fangen an zu leuchten, als sie sanft lächelnd sagt: „Es macht einfach totalen Spaß.“

Von Dorothea Backovic

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