250 Dinge, die wir mögen (63): Die Fenster der Stadtkirche

Verkauft, zerstört und dann erneuert

+
Von außen kann man nur ahnen, wie eindrucksvoll die Fenster im Altarraum der Bad Hersfelder Stadtkirche innen leuchten. Sie mussten mehrfach ersetzt werden. Heute schmücken die Motive des Künstlers Hans Gottfried von Stockhausen das Bauwerk.

BAD HERSFELD. Wer kennt sie nicht, die leuchtenden Chorfenster der Evangelischen Stadtkirche in Bad Hersfeld? In der den Heiligen Vitus und Antonius geweihten Kirche befanden sich seit der Erbauung im 14. Jahrhundert mehrere Altäre, Kunstwerke und – im Chor – mittelalterliche Glasfenster.

Während der Regierungszeit von Landgraf Moritz (1572- 1632) wurden durch den Bildersturm fast alle Kunstgegenstände zerstört. Die Altäre verschwanden während der Reformationszeit. Aber was geschah mit den schmückenden Chorfenstern? Der Besucher sucht sie vergebens. Dafür gibt es glaubwürdige Erklärungen.

Serie zum HZ-Jubiläum: Warum fühlen wir uns hier so wohl? Weil unsere Region einfach schön ist! Weil die Hersfelder Zeitung in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag feiert, wollen wir Ihnen in unserer Jubiläumsserie in loser Folge 250 Dinge vorstellen, die wir an unserer Region mögen. Heute ein Beitrag von unserer Leserin Gerda Conradi.

Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel (1743-1821) ließ während seiner Amtszeit im Bergpark Wilhelmshöhe die Löwenburg errichten. 1798 erwarb er für 100 Gulden einen Teil der mittelalterlichen Fenster von der Hersfelder Gemeinde, um sie mit Fenstern aus anderen hessischen Kirchen in der Löwenburg einbauen zu lassen. In der Sakristei und in der Marienkapelle der Stadtkirche blieben einige Scheiben erhalten. Wegen Bombengefahr baute man im 2. Weltkrieg die Stockhausen. Fenster in der Löwenburg aus, um sie zu schützen. Seitdem liegen sie dort verwahrt.

Wie aber kam es zu den Fenstern, die jetzt im Kirchenraum zu sehen sind? Um 1900 erhielt die Kirche bei einer grundlegenden Renovierung, dem Zeitgeschmack entsprechend, farbige Chorfenster. Doch diese Fenster sind ebenfalls nicht mehr vorhanden. Am 16. März 1952 vernichtete ein Brand den Kirchenraum mit Bänken, Orgel und Chorfenstern. Betritt der Besucher heute den Innenraum, sieht er leuchtende Glasfenster im Chor, deren Farbigkeit durch Sonneneinstrahlung vermehrt wird.

Das Magnificatfenster der Stadtkirche. Foto: Archiv

Die Renovierungsarbeiten im Innenraum der Kirche dauerten ein Jahr. Während dieser Zeit erging eine Ausschreibung für die Gestaltung neuer Fenster an bekannte Glaskünstler. Unter den eingesandten Entwürfen erhielt der junge Hans Gottfried von Stockhausen (1920-2010) den Zuschlag. Es war für ihn eine der ersten großangelegten Arbeiten. Im Frühsommer 1953 wurde die restaurierte Kirche der Gemeinde übergeben.

Seitdem beherrschen drei große Fenster mit den Themen Weihnachten (gelb), Passion (blau), Pfingsten (rot) den Chorraum. In folgenden Jahren ergänzte von Stockhausen die bis dahin mit einfachen Scheiben versehenen Fenster mit Motiven aus dem Alten Testament. Fünfzig Jahre nach der Wiedereinweihung bat die Kirchengemeinde im Jahr 2003 den Künstler um einen Entwurf für das Ostfenster über der Südempore. Der 83 Jährige nahm den Auftrag an. Er entwarf das Magnificatfenster, dessen Darstellung den Lobpreis der Maria zum Ausdruck bringt. Bei dem zuständigen Gremium fand diese Gestaltung Anerkennung.

Gesamtkunstwerk Drei Jahre später wurde das Fenster eingebaut. Der Künstler war anwesend, als die Übergabe an die Gemeinde am 4. Februar 2007, in einem Festgottesdienst, erfolgte. Seitdem besitzt die Evangelische Stadtkirche in Bad Hersfeld ein Gesamtkunstwerk von Hans Gottfried von Stockhausen.

 

Kommentare