Weltenbummler findet in der Festspielstadt Bad Hersfeld seine neue Wahlheimat

Verkannte Perle Hessens

Erinnerungen an Namibia: Dieter Eckert hat in seinem Leben schon viele unterschiedliche Winkel der Erde bereist.

Bad Hersfeld. Über dem Sofabezug aus Afrika hängt ein Relief von Chile neben unzähligen Erinnerungsfotos aus fernen Ländern. Von Australien und Neuseeland sind besonders viele dabei, denn dort hat Dieter Eckert viele Jahre gelebt. Der 66-jährige Weltenbummler ist vor acht Jahren in Bad Hersfeld „gestrandet“ und seitdem von dem kleinen Städtchen in Waldhessen begeistert: „Viele Einheimische wissen absolut nicht zu schätzen, was Bad Hersfeld für eine Perle mitten in Deutschland ist.“ Eine Stadt voll von Historie sei für ihn ein guter Ort, um sesshaft zu werden – obwohl oder gerade weil er bereits auf alle Kontinente seinen Fuß setzen konnte und exotische Düfte geschnuppert hat.

Erste Jahre in Deutschland

Möglicherweise wurde ihm das Fernweh bereits in die Wiege gelegt. Dieter Eckert wird in Oberschlesien geboren, im heutigen Polen. Seine Mutter ist 1944 gerade auf der Flucht aus Litauen. Anschließend zieht die junge Familie weiter bis nach Bielefeld. Jahre später geht es nach Offenbach, wo Dieter Eckert eine kaufmännische Lehre macht und sich mit 19 Jahren zur Luftwaffe meldet. In den folgenden zwei Jahren lernte er überwiegend bayrische Stützpunkte kennen, aber die Welt hatte er damit noch lange nicht gesehen.

Also startet Eckert zwei Jahre später von Bremerhaven seine erste Überseereise, erkundet den Mittelmeerraum und überquert nach Stationen in Afrika zum ersten Mal den indischen Ozean.

Start in Australien

Angekommen in Down Under gestaltete sich der Aufenthalt ohne Visum erst einmal schwierig. Über die Jahre arbeitete er als Teppichweber, in einer Autofabrik und einem Bergwerk. Die Känguru-Tätowierung auf seinem Oberarm erinnert ihn an diese Zeit. „Aber neben dem Fernweh hat man auch Heimweh“, gibt der Vielgereiste zu.

So immigriert Dieter Eckert in den Siebzigern wieder nach Deutschland und findet eine Beschäftigung als Spediteur am Frankfurter Flughafen. In den folgenden Jahren kommen seine beiden Töchter zur Welt. Der Beruf sichert ihm zugleich die viele Reisen, auch durch vergünstigte Flugtickets für die Mitarbeiter.

Ein Jahr lebt er in Saudi-Arabien. Und oft besucht er seine kleine Strandhütte auf Kuba oder bereist ganz Südamerika. Manchmal trifft man im Ausland auf die eigenen Landsleute. „Wenn man mitten in Chile das Schild "frischer Apfelkuchen" liest, kommt das reichlich unerwartet“, erinnert er sich .

Nach Namibia und zurück zu den australischen Opalfeldern, in die Städte Budapest und Prag sowie nach Irland, seinem Traumland, führen einige der weiteren Trips. Auch seine Familie steckt er mit seinem Freiheitsdrang an: Eine seiner beiden Schwestern lebt bis heute in Australien.

Ankunft in Bad Hersfeld

Als Eckert vor acht Jahren aus gesundheitlichen Gründen in Frührente ging, stellte sich die Frage erneut, wohin es ihn verschlagen würde. Es wurden weder die Pyrenäen noch Skandinavien, denn als den selbsternannten Kosmopoliten sein Weg zufällig zur Festspielzeit nach Bad Hersfeld führte, hielt es ihn hier.

Lesen, Sport und die Gegend erkunden gehören seitdem zu seiner täglichen Beschäftigung. „Ich freue mich auf jeden neuen Tag,“ sagt der Wahl-Hersfelder. Sollte es ihn doch noch einmal in die Fremde ziehen, ist der Zielort schnell bestimmt: Mauritius. Dort soll es auch wunderschön sein.

Von Miriam Claus

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