Landestheater Detmold zeigte aktualisierte Fassung der Strauß-Operette in der Stadthalle

Verjüngtes Wiener Blut

Bad Hersfeld. In einer Aufführung des Landestheaters Detmold war die Operette „Wiener Blut“ die Abschlussveranstaltung des Städtischen Theaterabonnements 2013. Das überwiegend ältere Publikum sah in der Stadthalle Bad Hersfeld eine der, neben „Fledermaus“ und „Zigeunerbaron“, lebendigsten und bekanntesten Strauß-Operetten.

Die Inszenierung von Holger Potocki versuchte mit dem ersten Bühnenbild, dem zeitlichem Umbruch in das Rundfunkzeitalter und mit der Darstellung der Hauptfigur Balduin als langweiligem Buchhalter Inszenierungselemente für eine modernere Präsentation der Operette „Wiener Blut“ einzubringen.

Balduin erlebt die Zeit des Wiener Kongresses, in der die Operette eigentlich spielt, im Traum. Im Laufe der drei Akte kommt es immer wieder zu einem Wechselspiel zwischen Realität und Traum. Wortelemente wie die immer wieder angedrohte Versetzung des jungen Balduin Graf Zetlau aus dem mit Bällen, Redouten und Maskenbällen amüsierverwöhnten Wien in den Operettenstaat Reuß-Schleiz-Greiz ist stark akzentuiert.

Kurze Hosen

Der Versuch, „Wiener Blut“ einen zeitgemäßeren Anzug zu verpassen, fand auch beim Bühnenbild und den Kostümen Niederschlag. Inwieweit die „kurzen Hosen“ der männlichen Darsteller ein probates Stilmittel sind, blieb dem Betrachter jedoch verborgen. Der Versuch einer „Verjüngungskur“ fand nicht bei allen Teilen des Publikums eine positive Resonanz.

Die Bühnenaufführung des Landestheaters Detmold wurde im Spiel und Gesang von den Damen des Ensembles dominiert. Vera-Lotte Böcker in der Rolle als Gabriele und Katharina Ajyba als Demoiselle Franziska Cagliari beeindruckten mit ihren Sopranstimmen. Franziska Ringe stellte ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Brigitte Bauma setzte in ihrem Solopart als Kellnerin – verbunden mit der „Entlarvung“ ihrer Hosenrolle – nachhaltig ein schauspielerisches und musikalisches Schmankerl. Bei den Herren fand Fritz Hille in der Rolle des Fürsten Ypsheim-Gindelbach beim Publikum besonderen Anklang.

Das Symphonische Orchester unter der Stabführung des musikalischen Leiters Matthias Wegele übersteigerte in einzelnen Passagen das Spiel der Bläser, sodass es für die Sängerinnen und Sänger schwieriger wurde, mit ihren Stimmen adäquat mitzukommen.

Das Publikum ließ sich im Laufe des Abends in die Traumwelt der Operette entführen, geizte nicht mit Szenen- und einem herzlichen Schlussapplaus.

Die Melodien von „Wiener Blut machten schon Appetit auf die in Kürze anstehenden Neujahrskonzerte mit den Melodien der Familie Strauß. (ast)

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