Krabat: Einen Festspiel-Vorgeschmack gab es jetzt in der Wippershainer Kirche

Verführung, Freiheit und Liebe

Das Wippershainer Krabat-Team mit (von links) Luisa Modler, Joern Hinkel, Nico Otto, Herbert Janßen, Christopher Seban, Jakim Leipold, Matthias Laufer-Klitsch, Andreas und Imke Leipold. Foto: Janßen

Wippershain. Einen ersten Vorgeschmack auf die Festspiele und eine Parabel auf Macht und Verführung, Liebe und Freiheit erlebten die Besucher des Literaturgottesdienstes in der Wippershainer Kirche.

Mit „Krabat“ von Otfried Preußler hatte Pfarrerin Imke Leipold ein Buch zugrunde gelegt, das als Familienstück in diesem Jahr auch in der Ruine auf die Bühne gebracht wird.

Zur Vorfreude auf das Theatervergnügen in der Stiftruine passten auch die Mitwirkenden, die Imke Leipold für diesen besonderen Gottesdienst gewinnen konnte: Joern Hinkel, der „Krabat“ im Sommer inszenieren wird, übernahm die Erzählerrolle. Die Rolle der Müllerburschen (Krabat – Jakim Leipold, Tonda – Nico Otto und Juro – Christopher Sebald) sowie die der „Kantorka“ (Luisa Modler) wurden von jungen Mitgliedern des Vereins „Sommernachtsträumer“ verkörpert, die ebenfalls alle in Festspielaufführungen mitwirken werden. Den Müllermeister spielte Herbert Janßen.

Musikalische Akzente

Matthias Laufer-Klitsch (Saxophon) und Andreas Leipold (Querflöte) setzten musikalische Akzente, die dazu beitrugen, dass trotz Tageslicht eine große atmosphärische Dichte und eine dem Stoff angemessene düstere Stimmung entstehen konnte.

Selbst das Aprilwetter trug seinen Teil zum Gelingen des Gottesdienstes bei: Gerade als im Lesetext vom fallenden Schnee die Rede war, war vor den Fenstern der Kirche dichter Schneefall zu sehen.

Die Geschichte des Waisenjungen, der inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges dem Ruf in die „Schwarze Mühle“ folgt und hier in tödliche Gefahr für Leib und Seele gerät, enthält deutliche Anklänge an die Geschichte des Autors, der als junger Mensch in der Zeit des Nationalsozialismus mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kam und sich fast darin verstrickt hätte. In dem Buch kämpfen Gut und Böse in den Gestalten der weißen und der schwarzen Magie miteinander, die Gemeinschaft der Müllerburschen wird vor allem durch vom Müllermeister geschickt geschürte Angst in der Balance und unter Kontrolle gehalten. Nur die Liebe eines Mädchens – nämlich der Kantorka – kann Krabat die Freiheit bringen.

Die Erlösung

In ihrer Predigt hob Pfarrerin Imke Leipold das unerwartet leise Ende der Geschichte hervor. Trotz aller Tricks des Müllermeisters erkenne die Kantorka ihren Burschen an seinem vor Angst laut klopfenden Herzen und erlöse ihn ganz ruhig mit den Worten: „Du bist frei.“

Die waffenstarrende Schlacht zwischen Gut und Böse, die wir aus Fantasy-Romanen kennen, finde nicht statt. Die schlichte Geste der jungen Frau erinnere vielmehr an die Wundertaten Jesu, die in ihrer Wirkung zwar spektakulär gewesen, jedoch oft ganz unscheinbar dahergekommen seien. Genau dies mache den „Krabat“ zu einer zutiefst frommen Geschichte, symbolisch sei insbesondere die Geste der Kantorka, die ihrem geliebten Krabat das Aschekreuz mithilfe von Osterwasser wegwasche.

Von Ute Janßen

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